[ TEST ] TALES OF VESPERIA: DEFINITIVE EDITION – Der PS3-Klassiker erobert die PS4

Vor nicht ganz 10 Jahren kam Tales of Vesperia in Japan für die PS3 heraus. Der Ableger hat damals leider nie den Weg nach Europa geschafft. Nun hat Bandai Namco einen der beliebtesten Teile der Serie in der Definitive Edition auch bei uns neu veröffentlicht. Ob es sich für euch lohnt, erfahrt ihr in unserem Test.


Ersteindruck
Macht Bock auf mehr.

Die Anime-Sequenzen sehen toll aus und verbreiten die richtige Stimmung. / Tales of Vesperia: Definitive Edition
Die Anime-Sequenzen sehen toll aus und verbreiten die richtige Stimmung. / Tales of Vesperia: Definitive Edition

Als ehemaliger Ritter verdient euer Held seine Brötchen inzwischen als Söldner und Gelegenheitsheld. Nicht selten geratet ihr dabei mit dem Gesetz in Konflikt und werdet daher von den Gesetzeshütern im Auge behalten. Ab und zu versucht man euch dann auch dran zu kriegen, was allerdings nur mäßig erfolgreich ist, da die Soldaten nicht gerade die hellsten Kerzen auf der Torte sind. Wie es sich für ein Tales-Spiel gehört, stolpert euer Held natürlich eher unfreiwillig ins Abenteuer und muss plötzlich das gesamte Volk retten, anstatt nur eine Hand voll Leute aus dem Viertel der Stadt, in dem eure Reise beginnt.
Kling im ersten Moment nach der typischen Story vom Helden, der keiner sein will und dann doch hilft, weil sein Gewissen ihn dazu treibt. Im Grunde ist Tales of Vesperia: Definitive Edition auch nicht anders als viele andere Genrevertreter, versprüht aber vor allem durch die sympathischen und teilweise dümmlich witzigen und manchmal etwas kindlich naiv wirkenden Charaktere einen tollen Charme und macht dadurch einfach Lust auf mehr.

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich bisher nur wenige Tales-Spiele gespielt habe, und daher kaum Erfahrung mit der Spielereihe habe. Um so schöner ist es, dass Tales of Vesperia: Definitive Edition mich schon in den ersten Stunden durchaus überzeugen konnte. Angefangen bei den sympathischen Charakteren, über die schöne Spielwelt, bis hin zur ganz interessanten Geschichte, die im weiteren Spielverlauf auch die ein oder andere Überraschung parat hat, macht das Spiel fast alles richtig um den geneigten Rollenspieler bei der Stange zu halten und die ein oder andere Stunde länger als geplant ans Spiel zu fesseln.


Gameplay
Nicht ganz perfekt.

Das Gameplay wird für Tales-Veteranen keine große Hürde darstellen. In geschlossenen Arealen, wie z.B. Ortschaften oder Dungeons, bewegt ihr euch weitestgehend frei und könnt mit verschiedenen Objekten und praktisch allen NPCs interagieren und euch unterhalten um eventuell Informationen zu erhalten, oder einfach nur ein paar Worte mit den Einheimischen zu wechseln. Es lohnt sich auch, sich ein wenig um zu gucken. Überall sind kleine Verstecke in denen man nützliche Items finden kann. Auch auf der Weltkarte habt ihr große Bewegungsfreiheit und könnt zur besseren Übersicht sogar die Kamera frei drehen und den Winkel leicht ändern.

Die Kämpfe laufen in Echtzeit ab. / Tales of Vesperia: Definitive Edition
Die Kämpfe laufen in Echtzeit ab. / Tales of Vesperia: Definitive Edition

Das Gameplay im Kampf stellt allerdings eine kleine Schwäche des Spiels dar. Zwar sind die meisten Aktionen dank einfacher Tastenkombinationen keine besondere Herausforderung, aber das Bewegen des Charakters bei manueller Kampfsteuerung wirkt extrem holprig und unsauber. Allein das Umdrehen des Charakters funktioniert oft erst nach zwei oder drei Anläufen. Unschön ist hierbei vor allem, dass man erst komplett stillstehen und keine andere Aktion ausführen darf, bevor das Umdrehen möglich ist. In einem hektischen Gefecht kann das schonmal kritisch werden, wenn einem ein Gegner genau dann auf die Pelle rückt, wenn man sich umdrehen muss, um ihn z.B. anzuvisieren.
Im Menü könnt ihr jedoch zwei weitere Steuerungsvarianten einstellen. Mit der halbautomatischen Steuerung müsst ihr nur noch Aktionen wie Angriffe, Abwehr oder das Nutzen von Items selbst steuern. Die Bewegung des Charakters wird dann vom Spiel selbstständig übernommen. Bei vollständig automatischer Steuerung könnt ihr euch während des Kampfes dann komplett zurücklehnen. Hier wird der komplette Kampf von der KI geführt. Ich persönlich empfehle, auf die halbautomatische Variante zu setze, da ihr hier noch die nötige Kontrolle über den Kampf habt, euch aber auch nicht mit der holprigen Bewegungssteuerung herumschlagen müsst.

Im Kampf stehen euch rollenspieltypische Angriffe zur Verfügung. Normale Attacken mit der Waffe und die sogenannten Artes. Das sind Spezialangriffe, die TP-Punkte kosten, aber etwas mehr Wums haben. Im späteren Verlauf des Spiels kommen noch Tödliche Schläge hinzu, mit denen ihr schwächere Gegner direkt erledigen könnt. Eure Mitstreiter kämpfen weitestgehend allein und setzen auch Gegenstände selbstständig ein. Im Charaktermenü könnt ihr jedoch einige Einstellungen vornehmen und das Kampfverhalten der KI-Mitstreiter verändern.
Nach dem Kampf gibt’s dann die obligatorischen Belohnung. Erfahrungspunkt, Gald (die Währung im Spiel) und Gegenstände. Dabei erhalten auch die nicht in der aktiven Gruppe befindlichen Charaktere Erfahrungspunkte und steigen im Level. Das spart einiges an Zeit, die sonst für das nachträgliche Leveln draufgehen würde.

Jeder Charakter kann diverse Titel und Kostüme tragen. / Tales of Vesperia: Definitive Edition
Jeder Charakter kann diverse Titel und Kostüme tragen. / Tales of Vesperia: Definitive Edition

Das Waffen- und Fähigkeitssystem wirkt am Anfang etwas wirr und schwer verständlich, aber mit der Zeit steigt man langsam dahinter. Jede Waffe jedes Charakters hat bestimmte Fähigkeiten, die erst mit der Zeit Stück für Stück erlernt werden. Habt ihr eine neue Fähigkeit erlernt, könnt ihr diese „anlegen“ und auf eine Tastenkombination legen. KI-Charaktere nutzen ihre aktivierten Skills selbstständig. Ihr könnt jedoch auch wählen, welches Gruppenmitglied ihr steuern wollt. Um die Fähigkeiten der Figuren besser einschätzen zu können und bei bedarf Änderungen vorzunehmen, damit auch die KI effektiver kämpft, macht es auch durchaus Sinn, jeden Charakter auch mal selbst zu steuern um die Fähigkeiten für eure weitere Strategie etwas besser kennen zu lernen.

Auch ein einfaches Crafting-System ist vorhanden. Bei Händlern könnt ihr Waffen und Rüstungen nicht nur kaufen, sondern auch herstellen und verbessern. Sofern ihr die dafür nötigen Materialien gesammelt habt. Falls der Magen mal knurrt, oder ihr etwas zu sehr auf die Mütze bekommen habt, könnt ihr Kochen, um euch zu erholen und zeitlich begrenzte Verbesserungen zu bekommen, wie z.B. erhöhten Schaden usw. Neue Rezepte erlernt ihr zum einen durch das Kochen selbst, aber auch vom Wunderkoch, den ihr in den vielen Städten und Örtchen auf der Welt finden könnt.

Während eures Abenteuers gibt es auch immer wieder Dialoge und Unterhaltungen zwischen den Charakteren. Sobald in der linken, unteren Ecke des Bildschirms das Touchpad-Symbol (auf der PS4) erscheint, könnt ihr eine solche Unterhaltung starten. Dabei geht es in der Regel immer um die aktuellen Geschehnisse und Ereignisse, mit denen eure Gruppe konfrontiert wird. Aber auch die Beziehungen der Charaktere zueinander und ihre Hintergrundgeschichten werden in diesen Sequenzen behandelt. Das verleiht jeder Figur mit steigender Spielzeit immer mehr Profil und Tiefe, was sie sympathischer und interessanter macht.


Grafik/Sound/Technik
Optik hui, Sound nicht ganz pfui.

Das fortgeschrittene Alter merkt man dem Spiel kaum an. Rein optisch steht es den aktuelleren Tales-Titeln in nichts nach. Grafisch und was die Animationen angeht, kann man sich nicht beschweren. Zwar wirkt es unterm Strich nicht ganz zeitgemäß, aber das ist eine Eigenschaft, die praktisch alle Tales-Spiele vorweisen. Auch die Zwischensequenzen im Anime-Stil sind Tales-Typisch wunderschön inszeniert.

Rein optisch kann man voll und ganz zufrieden sein. / Tales of Vesperia: Definitive Edition
Rein optisch kann man voll und ganz zufrieden sein. / Tales of Vesperia: Definitive Edition

Der Sound ist … sagen wir mal … OK. Die musikalische Untermalung passt meistens und sorgt eigentlich für ein ganz gutes Feeling und ist dabei auch nicht zu aufdringlich. Allerdings wirken einige der Hintergrundtitel für die jeweilige Spielsituation manchmal etwas unpassend. Das macht zwar nicht die komplette Stimmung kaputt, unterstreicht diese aber auch nicht wirklich. Hier wurde eindeutig Potential für eine bessere Atmosphäre verschenkt. Auch die Soundeffekte wirken hier und da etwas seltsam schwach auf der Brust und waren vereinzelt sogar asynchron oder gar nicht vorhanden, oder gar so leise, dass man sich schlicht und einfach nicht hören konnte.
Weitaus besser sieht es da bei der Vertonung aus. Die Sprecher machen einen fabelhaften Job und hauchen den Charakteren das nötige Leben ein, um authentisch und „echt“ zu wirken. Leider gibt es keine deutsche Synchronisation, aber wem das Lesen von Untertiteln nichts ausmacht, der wird damit ganz gut leben können. Etwas besseres Feeling kommt sowieso mit der Japanischen Synchro rüber. Welche Sprache gesprochen werden soll, könnt ihr dabei bei jedem Spielstart auswählen.

Technisch gab es während des Tests keinerlei Probleme. Keine Bugs, Glitches oder sonstige Fehler, die als solche zu erkennen gewesen wären. Von daher gibt’s in dem Punkt nicht viel zu bewerten.


Umfang/Inhalt
Viel Arbeit für Nachwuchshelden.

Der Umfang von Tales of Vespieria: Definitive Edition kann sich sehen lassen. Für die Hauptgeschichte kann man zwischen 40 und 50 Stunden einplanen. Je nach Vorgehensweise. Wer das komplette Spiel erkunden und alles entdecken will, der kann auch mal schnell bei ca. 80 Stunden oder mehr landen.

Immer wieder gibt es kleine Dialoge zwischen den Gruppenmitgliedern. / Tales of Vesperia: Definitive Edition
Immer wieder gibt es kleine Dialoge zwischen den Gruppenmitgliedern. / Tales of Vesperia: Definitive Edition

Kleines Manko sind die zwar vorhandenen, aber oft nicht so einfach zu findenden Nebenquests. Wann ein NPC eine Aufgabe für euch hat, ist oft nicht zu erkennen. Ihr müsst also wohl oder übel viel Zeit in Plaudereien mit den Figuren verbringen, denen ihr über den Weg lauft. Wenn ihr alles, oder zumindest möglichst viel, erledigen wollt, werdet ihr auch nicht drum herum kommen, immer und immer wieder zu den einzelnen Orten zu reisen um nach neuen Aufgaben zu suchen. Leider sind einige der Quests auch nur zeitweise verfügbar. Schreitet ihr zu weit im Abenteuer voran, ist eine Aufgabe nicht mehr machbar. Schade eigentlich, denn die Nebenaufgaben bieten eine gute Möglichkeit um die Geschichte zu vertiefen und ihr weitere Facetten zu verleihen. Mal ganz abgesehen von den Belohnungen die euch durch die Lappen gehen.

Die Definitive Edition enthält neben dem Hauptspiel mit speziellen Inhalte der japanischen PS3-Fassung, die nie in Europa erschienen ist, auch noch einige Extras wie z.B. zusätzliche Titel und Kostüme für alle Spielcharaktere und ein paar Gegenstände, die euch den Start ins Abenteuer etwas erleichtern sollen. Darüber hinaus gibt es auch einen Anime-Film zum Spiel, der die Vorgeschichte des Spiels erzählt. Der Film ist auf Amazon erhältlich.


FAZIT

Als Neuauflage eines der beliebtesten Teile der Reihe, kann sich Tales of Vesperia: Definitive Edition durchaus sehen lassen. Zumal man es auch geschafft hat, das Spiel so zu modernisieren, dass es sich hinter aktuelleren Genrevertretern nicht verstecken muss. Für Tales-Fans, die die PS3-Originalfassung noch nicht kennen, auf jeden Fall eine absolute Empfehlung. Aber auch nicht-Fans, die eine Vorliebe für gute Action-JRPGs haben, können hier nicht viel falsch machen.

Tales of Vesperia: Definitive Edition ist erhältlich für PlayStation 4, XBox One, PC und die Nintendo Switch.
Der Test basiert auf der PS4-Version 1.01. Getestet wurde es auf der PlayStation 4 Pro.


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Christian Genschow
Gottgleicher Web- & Videoredakteuer für Games und so nen Kram