Das Angebot an Third-Party-Controllern beschränkt sich an der PlayStation 4 leider nur auf ganz wenige Hersteller, die entweder im unteren Preissegment anzufinden sind oder sich für viel Geld im E-Sport Sektor einordnen lassen. Nachdem Thrustmaster mit vielen Lenkrädern ein vielfältiges Angebot bietet, zaubern sie mit dem eSwap einen sehr interessanten Controller aus dem Hut, der zugleich einzigartige Innovationen mitbringt. Wir haben uns den Controller näher angeschaut.

Thrustmaster ist ein US-amerikanisches Unternehmen, das in den 90er Jahren mit Joysticks und Flug-/ Schubreglern sehr bekannt wurde. Im Jahr 1999 übernahm Guillemot Corporation (Bruder vom Ubisoft-Chef) Thrustmaster und baute das Angebot für den Weltmarkt aus. Heute gehört Thrustmaster zu den führenden Unternehmen im Bereich Peripherie, Lenkräder, Flugsticks und mehr. 

Ausstattung & Design

Edel und sehr interessant im Auftreten 

Thrustmaster präsentiert den eSwap Pro Controller in einem sehr anmutigen, in Hochglanz gehaltenen, Karton, der uns ein sehr edles Produkt präsentiert. Durch eine gute Beschreibung auf der Rückseite, sowie einer ansprechenden Bebilderung wird uns der Controller näher gebracht, der zugleich mit neuen Features aufwartet. Im Mittelpunkt steht natürlich das eSwap – Das Austauschen von Steuerkreuz, Sticks und weiteren modularen Elementen. So können wir uns entscheiden, ob wir mit dem PlayStation Design oder wie an der Xbox den Controller gestalten wollen. Diese Möglichkeit darf gerne als Innovation gesehen werden, da es soetwas bisher von keinem weiteren Hersteller gab.

Nehmen wir den eSwap Pro Controller aus seinem Bett in der Verpackung, bekommen wir direkt dessen Gewicht zu spüren. Er fühlt sich im ersten Moment sehr gut an. Die Auswahl der Materialen ist edel und ansprechend zugleich. Das beiliegende Kabel wurde mit Textil ummantelt und dürfte in der Länge mehr als nur ausreichen. Das sehen Einige aber auch als Kritikpunkt, denn in der heutigen Zeit von Bluetooth 5.0 und Qi-Laden sind kabelgebundene Controller sicherlich nicht mehr zeitgemäß. Viele setzen aber darauf, um unerwünschte Lags in der Eingabe umgehen zu können. Trotz offizieller PlayStation Lizenz, über die der Controller verfügt, bleibt eine direkte Bluetooth-Verbindung mit der PlayStation 4 auch hier außen vor. Der USB-Anschluss ist aber auch nicht das All-Heilmittel, denn die PlayStation 4 kann nur USB 3.0, die uns pro Anschluss mit maximal 4,5 Watt versorgt. Wer an seiner Konsole noch USB-Headsets oder gar die PlayStation VR betreibt, dem kann mit einem USB-Controller schnell die Leistung ausgehen. Gerade hier zeigt sich das Ende der aktuellen Konsolengeneration von seiner besten Seite.

Punkten kann der Thrustmaster eSwap Controller in erster Linie durch seine Haptik. Er liegt wunderbar in der Hand und alle Tasten sind gut zu erreichen. Nur die Benutzung der Back-Buttons bedarf etwas Übung und die kommen leider nicht an die Federbügel eines Scuf-Controllers heran, dafür sind die Buttons viel zu klein angeordnet. Der Controller fühlt sich allerdings sehr gut an, was auf eine hervorragende Materialauswahl zurückzuführen ist. Obwohl wir hier, durch das modulare System, einige Elemente austauschen können, wird uns einfach zu wenig geboten. So bietet Thrustmaster für etwas extra Geld weitere „Add-Ons“ an, um die Sticks, die L2/R2-Tasten, das Steuerkreuz oder gar die Griffstücke austauschen zu können. Diese gibt es bei amazon für rund 30 Euro. So können wir aus dem eSwap Pro Controller schnell ein Fighting-Pad machen. Als weiteren positiven Punkt wollen wir die zwei Tasten an der TRRS-Buchse (3,5 mm Klinke) erwähnen, die uns das Mikrofon schnell stumm schalten oder schnell das voreingestellte Profil wechseln lassen.


Handhabung & Ergonomie

nicht ganz zu Ende gedacht

Wie schon angesprochen, liegt der Controller sehr gut in der Hand und mit den modularen Möglichkeiten können wir ihn an unsere persönlichen Bedürfnisse anpassen. Leider ist der Controller aber auch nicht ganz zu Ende gedacht worden. So hätten wir uns die PlayStation-Symbol-Tasten auch gerne als modulares Element gewünscht, denn diese bleiben unverändert in ihrer Position. Da kommt nämlich die Frage auf, wozu der rechte Stick auch als Modul implantiert wurde. Er wird nur interessant, wenn wir uns eines der Add-Ons gönnen. Die Druckpunkte der Module sind sicherlich Geschmackssache, lassen sich aber leider vorab nicht einstellen. Während die PlayStation-Symbol-Tasten und die R2/ L2 Taste ein gutes Gefühl vermitteln, ist der Weg der L1 & R2 Taste uns einfach zu lang. Das zeigt sich vor allem in Shootern, wo jede Millisekunde zählt. Obwohl die beiden Sticks ein gutes Gefühl vermitteln, können wir uns mit der Grundeinstellung nicht zufrieden geben. Abhilfe schafft hier erst die kostenlose Software, die hier heruntergeladen werden kann. Erst mit der Software können wir am PC die Empfindlichkeit und Dead-Zone der Trigger und Sticks einstellen oder gar die Back-Buttons individuell belegen. Tauschen wir mitunter die Module nach unserer Einstellung am PC aus, werden diese Einstellungen einfach über den Haufen geworfen. Gerade wenn zwischen Spielen wie Tekken oder Call Of Duty gewechselt wird, muss jedes mal der Controller am PC neu konfiguriert werden. Auch können wir die Back-Buttons nur als Option zum Austausch vorhandener Tasten sehen und nicht als zusätzliche Eingaben. Gerade bei Racern, wo wir die Bremsbalance oder Traktion definieren können, wäre es eine hilfreiche Möglichkeit gewesen. Hier dürfte die Schuld aber in Sonys Händen liegen, die den Herstellern diesen Weg weiterhin verbauen.


Fazit

Eine gute Idee – leider zu spät 

Mit dem eSwap Pro Controller bringt Thrustmaster einen innovativen Controller, der durch eine wunderbare Materialauswahl und mit perfekter Haptik bei uns punktet. Die Option, sich den Controller modular anpassen zu können, sticht deutlich aus dem Markt heraus. Der fade Beigeschmack zeigt sich in den zusätzlichen Add-Ons für den Controller, die, wie bei manchem Spiel, extra erworben werden müssen. Hier wäre ein komplettes Paket wünschenswert gewesen – So eine Art Gold Edition. Mit einer UVP von 169,99€ ist der eSwap Pro Controller im Grundpaket auch kein Schnäppchen und weitere Add-Ons schlagen zusätzlich auf den Magen. Bedenken wir zudem, dass die PlayStation 5 mit ihrem Controller weitere Features bieten wird, ist der Preis so kurz vor dem Generationswechsel nicht ansprechend. Die Idee von Thrustmaster einen modularen Controller für den E-Sport auf den Markt zu bringen, darf gerne als innovativ und gigantisch-gut bezeichnet werden. Der gewählte Zeitpunkt ist es leider nicht – Viel zu spät! So richtig empfehlen können wir den Controller nicht: Er ist uns einfach zu teuer und wird sicherlich nur gut betuchte Gamer ansprechend. 

 

 

Viktor Kaczmarek
Seit Anbeginn der Datasette von Computergames begeistert. Spielt alles was sich bewegt und für Atmosphäre sorgt. Nimmt gerne Peripherie unter die Lupe und auch auseinander, es bleiben immer Schrauben übrig. Germany 48.406558, 9.791973