Hardware Test

[ TEST ] Thrustmaster „T.Racing Scuderia Ferrari Edition“ Gaming-Headset – ein Weltmeister ?

Im Sommer letzten Jahres präsentierte Thrustmaster, neben dem „T.Flight U.S. Air Force Edition“ Gaming-Headset, das „T.Racing Scuderia Ferrari Edition„. Da nun die Formel 1 in diesem Monat in eine neue Saison startet, habe ich mir dieses passende Ferrari-Headset auf die Ohren gesetzt. Kann ich damit zum Weltmeister werden ?

Das Thrustmaster Headset kommt mit einer offiziellen Lizenz von Ferrari daher und erinnert mich ein wenig an die Headsets vom Kommandostand aus der Formel 1. Knallig in Rot, samt fettem Logo der italienischen Automobilmarke, im klassischen Design. Im Inneren bietet Thrustmaster 50mm-Treiber mit bis zu 116±3dBSPL. Zu den weiteren technischen Angaben hält sich Thrustmaster leider sehr stark zurück. So finde ich weder eine Angabe zum Frequenzbereich, noch welche Art an Treibern verbaut wurden. Thrustmaster spricht nur von echte, analytische Treiber, mit einer stabilen Frequenzkurve. Selbst diese kann leider von mir nicht gefunden werden. Das T.Racing Headset kann mit allen Geräten, die einen 3,5 mm Klinke-Anschluss besitzen, genutzt werden. Für den PC liegt eine 2-Klinke-Verlängerung bei. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 99,99€.

Thrustmaster ist ein US-amerikanisches Unternehmen, das in den 90er Jahren mit Joysticks und Flug-/ Schubreglern sehr bekannt wurde. Im Jahr 1999 übernahm Guillemot Corporation (Bruder vom Ubisoft-Chef) Thrustmaster und baute das Angebot für den Weltmarkt aus. Heute gehört Thrustmaster zu eines der führenden Unternehmen im Bereich Peripherie, Lenkräder, Flugsticks und mehr. 

Verarbeitung/ Qualität

eine Überraschung in Rot

Beim T.Racing Headset orientierte sich Thrustmaster an einem nostalgischen Design bekannter Headsets. So erinnert mich dieses Headset ein wenig an das Razer BlackShark oder an jene die einst Piloten trugen. Zarte Bügel aus Aluminium tragen die Ohrmuscheln. Das Kopfband wurde von Leder umhüllt und mit einer unscheinbaren Naht versehen. Dank des weichen Memoryschaums, bietet es einen guten Tragekomfort.

Die Ohrmuscheln zeigen sich in dem bekannten und knalligen Ferrari-Rot und auf der Außenseite vervollständigt das Logo mit dem springenden Pferd, das Headset. Dieses ist nicht einfach aufgedruckt worden, sondern kommt einem Emblem gleich. Bei den Polstern setzt Thrustmaster auf zwei Komponenten. Außen Leder und in der Auflage ein angenehmer Stoff, sollen zu bestem Tragekomfort verhelfen. Dabei sind die Polster mit weichem Schaumstoff gefüllt und schmiegen sich somit wohlfühlend an. Der erste Moment ist sehr erfischend, da hier eher ein kühles Gefühl meine Ohren entzückt. So dürfte Schwitzen wohl weniger ein Thema sein, welches sich auch nach einigen Spielsessions beweist. Leider sind die Ohrpolster doch etwas zu dick geraten, was zu Folge hat, dass in der Mitte nur wenig Platz ist und es das Ohr somit nicht komplett umschließt. Im Gesamten sitzt das Headset sehr leicht auf dem Kopf und sorgt für einen etwas anderen aber guten Tragekomfort. Mir persönlich gefällt es, vermittelt aber weniger das Gefühl stramm und fest zu sitzen. Stramm und fest? Klar lässt sich das Headset auch verstellen, doch hier muss an der Schraube gedreht werden. Am Punkt zwischen dem Kopfband und dem Knickpunkt zu den Ohrmuscheln, befindet sich ein kleines Rädchen, um eine Größenverstellung zu ermöglichen und auch wieder zu fixieren. Sehr untypisch für ein Headset aber auch zugleich interessant.

Das gesamte Erscheinungsbild überrascht mich und kann auch in der Verarbeitung, im ersten Moment, überzeugen. Doch das Headset hat auch eine Schwachstelle: Das Kopfband und die Bügel der Ohrmuscheln, sind leider nur mit einer Niete verbunden. Ob dies der harten Beanspruchung der Gamer gerecht werden kann oder sich doch eines Tages hier die kritische Stelle zeigt, kann ich nur erahnen. Ein weiterer Punkt ist die Steifheit der Konstruktion, da sich kaum etwas flexibel verdrehen oder bewegen lässt.

Damit bei diesem Headset mehr das Gefühl eines Ingenieur vom Ferrari-Kommandostand aufkommt, passt sich das Mikrofon perfekt dem Gesamtbild an und lässt sich per „Drahtarm“ in jede gewünschte Position bringen. Zu den weiteren Design-Schmankerln gehören der Ansatz des gedrillten Kabels, sowie eine Lautstärkeregelung an der linken Ohrmuschel. Um das Gaming-Headset abzurunden, gibt es natürlich auch eine Remote-Control-Einheit am Kabel, für die Laustärkeregelung und Mikrofon-Stummschaltung. Nur der 3,5 mm Klinke-Stecker sieht wirklich etwas billig aus.


Sound/ Klangbild

… so wird Vettel nie Weltmeister !

Das T.Racing Headset bietet 50 mm Treiber, dessen Art und Aufbau von Thrustmaster verschwiegen wird. Eine Produktbeschreibung, auf der hauseigenen Webseite, spricht von kristallklarem und sättigungsfreiem Sound, der den Vorstellungen von Game-Designern entspricht, für Gaming-Sessions optimiert wurde und eine perfekte Balance zwischen Bass, Mitten und Höhen erreicht.

So habe ich das Headset im ersten Moment an den Controller der PlayStation 4 angeschlossen und ein eher dumpfer und schwacher Sound kam mir entgegen, der eigentlich darauf wartet, entfesselt zu werden. Von einem kristallklaren Sound kann hier also nicht die Rede sein. Ich habe das Gefühl, dass eine Folie zwischen meinem Ohr und dem Headset, den Sound zurück hält. Ich höre zwar, dass ich in Shootern mächtig Ballern kann, doch die Unterschiede zwischen den Waffen heben sich einfach nicht ab. Es bleibt immer nur ein einfaches „Bumm-Bumm“.  Hier fehlt es eindeutig an Höhen, wunderbaren Mitten und den abrundenden Tiefen. Letztere machen den Sound bei dem T.Racing einfach nur dumpf. So hat Thrustmaster in der Produktbeschreibung zu einem Teil nicht gelogen, der Sound ist absolut frei von satten Klang, weil er einfach sehr volumenarm ist. Da möchte ich zu gerne wissen, welche Vorstellungen die Game-Designer von der perfekten Balance zwischen Bass, Mitten und Höhen haben.

Anschließend habe ich das T.Racing Headset dann noch an mein Samsung S8, für die Wiedergabe von Musik, angeschlossen und hier kommt etwas mehr Kraft zur Geltung, auch wenn sich wieder dieses dumpfe und begrenzte Klangbild zeigt. Höhen sind vorhanden, die Mitten und Tiefen begrenzen einmal mehr eine Klarheit im Sound. Im weiteren Verlauf, schloss ich das Thrustmaster-Headset verzweifelt noch an die Sound BlasterX G5 Soundkarte an. Auch wenn das Headset nun endlich mehr Kraft zeigt, würdigt es die Soundkarte deutlich herab. So kann ich den Klang des lizenzierten Ferrari-Headset als unwürdig eines Sportwagens aus Italien bezeichnen. Das Klangbild erinnert mich ein wenig an einfache In-Ear-Kopfhörer, aus dem untersten Regal und kommt der gewohnten Qualität von Thrustmaster, wie zum Beispiel bei den Lenkrädern, nicht gleich. Leider verging mir schnell die Lust, es noch in weiteren Spielen und an verschiedenen Geräten auszuprobieren. Egal wann, wie und wo: es fehlt eindeutig an Akustik und audiophilem Klangbild.


Mikrofon/ Verständigung

sehr gute Verständigung 

Auch wenn der Sound des Headsets mich nicht überzeugen konnte, so ist Thrustmaster mit dem Mikrofon auf einem guten Weg. Hier suchte ich zwar auch vergeblich nach dem verbauten Treiber und dessen Frequenzbereich aber es ist perfekt gemacht, für eine Verständigung unter den  Gamern. So reiht sich das Mikrofon in die Vielzahl bekannter Hersteller ein und sorgt für eine gute und klare Verständigung ohne aber sich abheben zu können. Sämtliche Laute, Konsonanten, Umlaute und Dialekte kommen klar und sauber herüber. Das liegt vor allem an dem ausgewählten Höhenbereich, ohne in einem Abwasserkanal zu stehen. Eine schnelle Stummschaltung erfolgt über, die am Kabel befindliche, Remote-Control-Einheit. Hier hätte ich mir einen ähnlichen Weg wie bei der Laustärkenregelung gewünscht, am Headset selber mit einer Bewegung am Mikrofonarm oder einem weiteren „Knopf am Ohr“. Um aber den Ansprüchen eines Ferrari gerecht zu werden, reicht es einfach nicht. Ich erwarte etwas mehr Studioqualität, in dieser Preisklasse.


Fazit

Das ist kein Ferrari ! 

Das ein Ferrari für höhste Ansprüche steht, kann Thrustmaster mit dem T.Racing Scuderia Ferrari Edition leider nicht beweisen. Thrustmaster zeigt eher auf, dass eine Lizenz bei einem Headset, trotz schickem Design, noch keinen guten Sound hervorbringt. Das T.Racing ist eher ein schickes Modeaccessoire, welches sich auch angenehm tragen lässt. Von einem kernigen, satten und volumenreichen Klang, kann aber in keinster Weise die Rede sein. Ein Schaf im Wolfspelz, ein Ferrari mit einem 1-Liter-Motor oder ganz einfach gesagt, kein Headset für Racer, Gamer oder alle die gerne beim Zocken etwas Besonderes auf dem Kopf haben wollen. Sorry Thrustmaster, hier solltet ihr unbedingt den Motor wechseln, um für ordentlich Power sorgen zu können. In dieser Preisklasse haben die Herren Sennheiser mit dem GSP 300 gezeigt, wie man günstig zum audiophilen Vorreiter wird und die Gamer auch die Nuancen in einem Spiel hören lässt. Das T.Racing ist eher etwas für das Regal und nichts für schnelle Runden bei Codemasters F1. 

 

 

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