Mitte August kündigte das amerikanische Unternehmen Turtle Beach die 2. Generation ihres Stealth 600 Wireless-Gaming-Headset an, das nun seit dem 17. September im Handel verfügbar ist. Der Preis des Wireless-Headset beträgt in der UVP 99,99€ und ist in den Farben Weiß und Schwarz auf amazon.de verfügbar. Neben der PlayStation-Variante ist das Headset natürlich auch für Xbox-Jünger erhältlich – hier bitte auf die passende Kompatibilität mit den Farben Blau und Grün achten! Das Stealth 600 haben wir im Januar 2018 schon testen können und nun widmen wir uns dem Nachfolger, das zugleich für die kommende PlayStation 5 gerüstet ist. So finden wir auch Angaben auf der Verpackung, die eine Kompatibilität mit der Nintendo Switch versprechen. Doch schauen wir uns an, welche Änderungen und gar Verbesserungen die 2. Generation mit sich bringt.

Verarbeitung und Komfort

Es bleibt ein Turtle Beach Headset!

Für unsere Testzwecke wurde uns ein Headset zur Seite gestellt, das wohl für den französischen Markt bestimmt ist, denn neben den Angaben in englischer Sprache finden wir eine französische Beschreibung vor. Dies tut dem Test nicht weh, da wir auf der Seite der Verpackung auch in deutscher Sprache über dessen Features informiert werden. So verfügt das Stealth 600 über das hauseigene Superhuman Hearing, 15 Stunden Akku-Laufzeit und ist auch weiterhin für Brillenträger bestens eignet. Weitere technische Angaben werden nicht gemacht. Mit einem deutlichen Hinweis wird auf die Kompatibilität mit der PlayStation 4 hingewiesen und eine Tauglichkeitsbescheinigung mit der PlayStation 5 erfolgte einst per Pressemitteilung. Da die PlayStation 5 erst am 19. November erscheinen wird, können wir das Turtle Beach Headset aktuell nur an der PlayStation 4 ausprobieren. Wir werden euch aber zum Ende des Jahres informieren, wie sich das Headset an der PlayStation 5 schlägt. (Sony hat darauf hingewiesen, dass PS4-Headsets auch mit der PS5 kompatibel sein werden. Turtle Beach geht davon aus, dass die Produkte Stealth 600 & 700 Gen 2’s mit der PS5 kompatibel sein wird, und wird dies bestätigen, sobald die Tests abgeschlossen sind.)

Turtle Beach präsentiert das Stealth 600 Gen 2 in einem anthrazitfarbenen Karton, der uns auch einen ersten Blick auf das neue Design gewährt. Packen wir das Headset aus, so sind wir sehr erstaunt, da Turtle Beach nicht auf eine Einbettung in Plastik setzte, sondern das Headset in eine recycelten Kartonage einlegt. Turtle Beach nimmt sich dem Schutz des Klimas an und denkt in der heutigen Zeit mit – damit lässt sich die Verpackung komplett im Altpapier entsorgen. Aus hygienischen Gründen wurde das Headset selbst dennoch in eine Tüte gepackt. Neben dem Headset finden wir noch den USB-Dongle, auch als Transmitter bekannt, ein USB-A zu USB-C Ladekabel und die „Literature“ (Bedienungsanleitung) in CD-Größe vor. Leider machte sich bei unserem „Unboxing“ auch ein leicht chemischer Geruch bemerkbar, den wir als unangenehm empfanden. Dieser ist wohl auf diverse Weichmacher der Kunststoffe beim Headset zurückzuführen. Auch scheint uns das Ladekabel, mit nur einem halben Meter, deutlich zu kurz zu sein, denn sollte uns während einer Gaming-Session mal der Saft ausgehen, kleben wir mit dem Kopf an der Konsole. Selbst eine Powerbank würde uns wie ein Klotz am Ohr baumeln. Hier muss dann wohl Ersatz her. Dennoch denkt Turtle Beach mit und verbaute am Headset eine USB-C Buchse, die an der PlayStation 5 mit einem USB-C zu USB-C Kabel (separat erhältlich) wohl einen Schnellladevorgang ermöglichen wird.

Halten wir das Headset erstmalig in der Hand, können wir uns den Begriff „Plastikbomber“ einfach nicht verkneifen. Die Materialauswahl bleibt typisch Turtle Beach und erzeugt auch in der 2. Generation kein wertiges Gefühl. Obwohl zahlreiche Verbindungen und beweglichen Elemente verschraubt wurden, zeigen sich keine metallischen Verstärkungen. Die hier gewählte Materialauswahl beschränkt sich hauptsächlich auf Kunststoff, der eher an das Plastik von Einwegbesteck erinnert. Obwohl sich Turtle Beach sicherlich Gedanken gemacht hat, lässt sich selbst mit dem blauen Akzent um die Ohrmuscheln die Anmerkung „billig“ nicht unterdrücken. Wir haben sogar starke Bedenken, was die Robustheit angeht, denn der extrem kurze Mikrofonarm könnte bei einer derben Handhabung schnell zu Bruch gehen.

Alle wichtigen Bedienelemente befinden sich an der linken Ohrmuschel

Setzen wir uns das Headset nun auf die Rübe, zeigt sich leider kein wohlwollendes Tragegefühl. Die Ohrpolster sind zwar aus einem atmungsaktiven Textil gefertigt, schmiegen sich aber leider extrem hart ohne Kisseneffekt um unsere Ohren. Zudem erzeugt das Kopfband aus Leder auch einen leichten Druck auf die Fontanelle. Der allgemeine Druck, und damit die Passform, erreicht somit nur eine ausreichende Zufriedenheit, die unser verwöhnter Kopf gar nicht mag. Wer hier mit den textilen Ohrpolstern nicht zufrieden ist, muss leider in den sauren Apfel beißen, da es Turtle Beach bis heute nicht geschafft hat in dieser Preisklasse andere Polster aus Leder, Velours oder gar Ersatzpolster im Shop anzubieten. Sollten die Polster nach 1-2 Jahren durch sein, muss wohl das Headset im Recyclinghof abgegeben werden. Aus diesem Grund aber ein 100 Euro Headset frühzeitig aufzugeben, entspricht sicherlich nicht den Ansprüchen der Nachhaltigkeit.


Software & Firmware

bei Auslieferung Up-to-Date

Wie es sich heute für einen Anbieter von Gaming-Headsets im Wireless-Bereich gehört, bietet auch Turtle Beach für das Stealth 600 eine Software an, die sich als Turtle Beach Audio Hub kennzeichnet. Hier können wir das Headset mit der aktuellen Firmware versehen, was wir auch gemacht haben. In unserem Test verfügten wir über die aktuelle Firmware des Headsets und des USB-Dongle.

Wie zu sehen ist, gibt es hier nichts zu sehen.

Wer hier gerne eine Überprüfung vornehmen will, der benötigt die Software und muss sowohl den Dongle, als auch das Headset, per USB-Kabel mit einem PC verbinden – Es werden gleich zwei freie USB-A Ports benötigt. Wie schon angesprochen, verfügt das Headset über die aktuelle Firmware, doch wir haben uns von dem Turtle Beach Audio Hub noch etwas mehr erhofft. Einstellungen im Klang können hier nicht vorgenommen werden, obwohl es doch einen „Mode-Button“ am Headset gibt, der uns unterschiedliche Audiomodi nutzen lässt. Hier zeigt sich Unverständnis, da das Headset ja auch am PC genutzt werden kann. Da wurden wir von anderen Herstellern schon eher verwöhnt. Der PlayStation 4 Gamer kann somit gleich die Finger von der Software lassen, da er sie nicht benötigt und ihm eventuell nur im Zuge der PlayStation 5 mit einem Update versorgen wird. Das werden wir aber nochmal im Herbst überprüfen und entfernen die Software wieder von unserem PC.


Sound & Klangbild

Nicht von schlechten Eltern

Turtle Beach spendierte dem Stealth 600 Gen 2 Headset zwei 50 mm Treiber mit Neodymium-Magneten, die uns einen Frequenzbereich von 20 Hz bis 20 kHz bieten. Im Grunde ist das nichts Besonderes, doch mit dem Mode-Button lässt sich hier ein Klangbild auswählen, dass die unterschiedlichen Geschmäcker anspricht. Gerne hätten wir aber in einer bezeichneten Auswahl erfahren, welcher Modus nun gewählt ist. Mit einem einfachen Durchklicken in dem Moment beim Zocken, haben auch wir unseren Modus gefunden und waren sehr angetan wie gut der Klang sich offenbart. Wir können sogar fast von einer Überraschung sprechen. Leider können wir euch nicht sagen, welchen Modus wir verwendet haben – Das Headset schweigt leider und selbst die Bedienungsanleitung gibt keinen Hinweis darauf. In unserer Recherche haben wir folgende Audio-Presets ausfindig machen können: Bass Boost, charakteristischer Turtle Beach-Sound, Höhen- und Stimmanhebung. Einen Surround-Modus gibt es nicht, denn über den USB-A der PlayStation 4 ist nur Stereo möglich. (Ob die PlayStation 5 einen Multikanal über USB-A/C ermöglicht, ist noch unbekannt) Hier muss aber schon genau hingehört werden und eine Szene im Spiel auch alles zeigen, um die Unterschiede heraushören zu können. Letztendlich wird es aber wohl der Bass-Boost gewesen sein, der uns überzeugt hat, da sich hier eine Klangdynamik zeigt, die sowohl die Höhen hervorbrachte, die Mitten mit einbezogen hat und den Tiefen das Volumen in einem breiten Band brachten. Höhen- und Stimmenanhebung klingt hingegen wie in einem Abwasserkanal mit Sibirien zu telefonieren. Von einer punktgenauen Audio-Präsentation, wie es auf der Webseite beschrieben wird, haben wir nichts wahrnehmen können. Das Headset klingt nur im Bass-Boost-Modus gut, reicht aber nicht an preislich identische Headsets heran.

In audiophiler Hinsicht bleibt Turtle Beach aber weit hinter der Konkurenz zurück, ob nun wireless oder kabelgebunden. Es fehlt dem Stealth 600 2. Gen deutlich an Dynamik. Wer gerne auch mal Musik hören will, der sollte dann doch lieber das Turtle Beach Headset weglegen und einen Kopfhörer verwenden – gleiches gilt beim Schauen von Filmen.

Der Mikrofonarm ist deutlich zu kurz geraten und reicht nicht bis zum Mundwinkel

Klar, das Headset hat auch ein Mikrofon, welches Turtle Beach als omnidirektional angibt, aber leider mit seinem kurzen Mikrofonarm, der bis zu den Weisheitszähnen reicht und damit weit weg von unserem Mund seine Position findet. So wird unsere Kommunikation etwas Abseits gestaltet und das zeigt sich dann auch bei unseren Gesprächspartnern. Eher hohl und ganz ohne klanglich hervorhebbare Eigenschaften kommen wir im Party-Chat der PlayStation 4 an und diese müssen mit einer unnatürlichen Stimme leben, die gerade im Dialekt und bei den Zischlauten grobe Defizite aufzeigt. Das Mikrofon ist daher nur ein Mittel zum Zweck um im Spiel mitreden zu können – Mehr aber auch nicht.


Fazit

Auch in der 2. Generation nicht überzeugend

Mit dem Stealth 600 2.Gen bringt Turtle Beach den Gamern ein Wireless-Headset, das uns nicht überzeugen konnte. Zum einen bietet Turtle Beach hier keine Wertigkeit in der Materialauswahl, auch wenn der Preis von 100 Euro für ein Wireless-Headset sehr verlockend klingt. Zum anderen kann das Headset im Zeitalter der audiophilen Ansprüche von Spielern nicht mehr mithalten. Der Klang und das Soundbild wirken wie hundert andere Headsets im unteren Preissegment. Das Mikrofon ist mehr Mittel zum Zweck und lässt uns im Wald stehen. Das Design wirkt langweilig und altbacken, was auch einen unzufriedenen Tragekomfort erzeugt. Auch entspricht der Support und damit das Angebot an Zubehör nicht mehr der Zeit. An einigen Stellen hat Turtle Beach den richtigen Ansatz gewählt, aber an vielen Ecken einfach oberflächlich gehandelt. Wir können dem Headset keine Empfehlung aussprechen, denn für 100 Euro gibt es deutlich bessere Headsets – auch kabellos. 

Top-Angebot
Turtle Beach Stealth 600 Gen 2 Kabellos Gaming-Headset, PS4 und PS5
24.542 Bewertungen
Turtle Beach Stealth 600 Gen 2 Kabellos Gaming-Headset, PS4 und PS5
  • Kabellose Verbindung - Ein kabelloser Mini-USB-Transmitter bietet eine zuverlässige kabellose Spiel-Audio- und Chatverbindung auf PS5 und PS4
  • Brillenfreundlich - Dank unseres exklusiven und patentierten ProSpecs-Designs bietet das Headset auch Brillenträgern hohen Tragekomfort – drückende Brillenbügel sind passé
  • Superhuman Hearing - Ob leise Schritte, die sich von hinten anschleichen, oder das Nachladen von Waffen – unsere exklusive Superhuman Hearing-Soundeinstellung bietet den ultimativen Audiovorteil
Viktor Kaczmarek
Seit Anbeginn der Datasette von Computergames begeistert. Spielt alles was sich bewegt und für Atmosphäre sorgt. Nimmt gerne Peripherie unter die Lupe und auch auseinander, es bleiben immer Schrauben übrig. Germany 48.406558, 9.791973