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The Outer Worlds 2 im Test – Eine galaktische Satire

Wir kennen das schon. Ein einsamer Reisender, unsanft aus dem Kälteschlaf geweckt, findet sich als letzte, beste und am wenigsten qualifizierte Hoffnung der Galaxie wieder.

Das ursprüngliche Outer Worlds war ein brillanter, wenn auch kompakter, Machbarkeitsbeweis: eine scharfe, satirische Abrechnung mit der Konzerndystopie, die sich wie Fallout: New Vegas, mit kleinerem Umfang und einer bunteren Farbpalette anfühlte.

Jetzt, sechs Jahre später, ist Obsidian Entertainment zurück, und dieses Mal legen sie alles in die Waagschale. The Outer Worlds 2 versetzt uns in das brandneue Arkadien-System mit einem klaren Auftrag: größer, besser und tiefgründiger zu sein.

Nach vielen Stunden, in denen wir uns durch Konzernintrigen und außerirdische Grenzgebiete navigiert haben, können wir bestätigen, dass sie in fast jeder Hinsicht erfolgreich waren. Dies ist ein gewaltiges, ehrgeiziges und zutiefst lohnendes Rollenspiel, das das Fundament des Originals nimmt und einen Wolkenkratzer darauf baut.

Unsere Reise beginnt nicht mit der Entscheidung, eine Kolonie zu retten, sondern mit einer viel persönlicheren und, ehrlich gesagt, ernüchternden Hauptquest: einem Rachefeldzug. Dieser einfach gestrickte erste Akt lässt sich viel Zeit, um zu den guten Dingen zu kommen. Wo das erste Spiel uns sofort in den zentralen Konflikt von Halcyon warf, verlangt The Outer Worlds 2 nach mehr Geduld.

Es ist ein langsamer Auftakt, der Storyaufbau über hochoktanigen Nervenkitzel stellt. Sobald wir den Charaktererstellungsbildschirm erreichen, werden die wahren Ambitionen des Spiels deutlich. Obsidians Mantra „Spiel auf Deine Weise“ ist in jedes Molekül dieser Fortsetzung eingebacken.

Die überarbeitete Charaktererstellung zielt weniger darauf ab, Werte zu maximieren, als vielmehr darauf, eine Persönlichkeit mit ihren Stärken und Schwächen zu definieren. Du wählst positive und negative Eigenschaften, eine eigene Hintergrundgeschichte und Fähigkeiten, die uns im Spiel Türen öffnen und schließen. Wir haben den Prolog dreimal mit unterschiedlichen Builds gespielt, und jeder Durchlauf fühlte sich einzigartig an.

Hier schlägt das Spiel seine Haken in uns. Das Writing, schon immer Obsidians Stärke, ist schärfer, witziger und selbstbewusster. Die Satire auf Kapitalismus, Autoritarismus und Bürokratie befindet sich auf Anschlag. Aber es gibt eine deutliche Tonverschiebung. Obwohl es viele Albernheiten gibt, fühlt sich die Geschichte geerdeter an und konzentriert sich auf die komplexe, schmutzige Politik der Fraktionen von Arkadien. Es ist eine Galaxie, die sich weniger als ein Themenpark und mehr wie ein Pulverfass anfühlt und wir haben gerade das Streichholz in die Hand gedrückt bekommen.

Wenn das erste Spiel eine Vorspeise war, ist das zweite der Hauptgang. Der Kern von The Outer Worlds 2 ist sein erstaunliches Engagement für die Entscheidungsfreiheit des Spielers. Das ist nicht die Illusion einer Wahl: dies ist ein Spiel, das uns aufgrund unserer Entscheidungen von ganzen Questreihen, Orten und sogar Begleitern ausschließen wird. Wir haben festgestellt, dass diese Konsequenzen durch die gesamte Geschichte hallen und Begegnungen auf überraschende Weise beeinflussen. Es ist ein komplexes Netz und wir sind die Spinne, die entscheiden muss, über welche Fäden sie in den Kern der Geschichte vordringt – mit allen dazugehörigen Konsequenzen.

Wir können uns durch fast jede Situation entweder durchreden, durchschleichen oder durchschießen.

Diese Philosophie erstreckt sich auch auf die knackigen Rollenspiel-Systeme. Das Fehler-System kehrt zurück und es ist mehr als nur ein Gimmick, um einen zusätzlichen Vorteilspunkt zu verdienen. Das Spiel verfolgt unser Verhalten und bietet Fehler an, die darauf basieren, wie wir tatsächlich spielen. Unsere Spielfigur entwickelt Höhenangst, weil wir zu oft heruntergefallen sind, oder wird zum Kleptomanen durch all die Langfingerei, die wir begehen. Diese Fehler fühlen sich bedeutsam an und fügen echtes Rollenspiel-Flair hinzu.

Aber auch der Umgang mit den Waffen wurde deutlich verbessert. Das Gunplay ist zackiger, die Mobilität ist durch neue Rutsch- und Doppelsprung-Mechaniken besser und das Arsenal ist eine glorreiche Sammlung von Sci-Fi-Verrücktheiten. Von Schrumpfstrahlen bis hin zu Plasmagewehren fühlt sich der Kampf weniger als eine lästige Pflicht und mehr wie ein weiterer valider Ausdruck unseres Charakter-Builds an.

Auch die Begleiter sind wieder einmal ein Highlight. Die Besetzung ist sympathisch, gut geschrieben und ihre persönlichen Quests gehören zu den besten Inhalten im Spiel. Selbst die klischeehaften Charaktere sind mit Charme und Tiefe geschrieben.

Die Vergrößerung des Maßstabs hat jedoch ihren Preis. Die offensichtlichen Schwächen des Spiels sind die eher geringe Gegnervielfalt. Wir kämpfen hunderte Male gegen dieselben Kreaturen und Sicherheitsdrohnen.

Unter den wirklich tollen Quests finden sich auch viele, die repetitiv und langweilig wirken. Das als „größer und umfangreicher“ beworbene Spiel wird dann doch auch mit Füllmaterial aufgebläht. Hol-und-Bring-Quests, die sich wie Fleißarbeit anfühlen. Auch wenn unsere Erfahrung fast ausschließlich positiv war, haben wir auch Momente erlebt, in denen sich die riesige, wunderschöne Welt eine Meile breit und einen Zoll tief anfühlte.

Darüber hinaus kann eine hohe Sprachfertigkeit des eigenen Charakters die Spannung aus ganzen Bosskämpfen nehmen und die Stufenobergrenze von 30 kann definitiv zu früh erreicht werden, wodurch die Risiko-Belohnungs-Schleife gegen Ende sinnlos wird.

Visuell ist The Outer Worlds 2 ein Knaller. Der Sprung zur Unreal Engine 5 ist sofort ersichtlich. Die Welten sind lebendig, detailliert und triefen vor dieser einzigartigen Retro-futuristischen Sci-Fi-Western-Ästhetik. Dies ist eine farbenfrohe Apokalypse. Von Neon-getränkten Städten bis hin zu außerirdischen Dschungeln ist Arkadien ein wunderschöner, feindseliger Ort zum Erkunden.

Diese Exzellenz erstreckt sich auch auf den Ton. Die Sprachausgabe ist nicht weniger als außergewöhnlich, wobei jede Zeile der Sprecher mit viel Persönlichkeit vorgetragen wird. Eine deutsche Vertonung fehlt im Spiel leider.

Die satirischen In-Game-Radiosender und propagandistischen Jingles kehren zurück und fangen den Geist der Welt perfekt ein.

Auch akustisch wird ein hohes Niveau gehalten. Besonders beeindruckend ist die Implementierung des Tactical Time Dilation. Wenn wir diesen Zeitlupenmodus aktivieren, wird das gesamte Sounddesign durch Filtereinsatz, Tonhöhenänderung und Entfernungseffekte dramatisch manipuliert, um die Immersion des entschleunigten Kampfes zu maximieren.

The Outer Worlds 2 ist in seiner narrativen DNA der beste Nachfolger, den wir uns wünschen konnten. Obsidian Entertainment hat seine Stärken ausgebaut und ein Universum geschaffen, das größer, reaktiver und erzählerisch dichter ist als sein Vorgänger. Die scharfsinnige Schreibweise, die komplexe Fraktionspolitik und das tief verwurzelte Choice-and-Consequence-System liefern ein herausragendes Rollenspiel-Erlebnis.

Es ist ein Spiel, das Dir vertraut, Deinen eigenen Weg zu gehen, aus Deinen eigenen Gründen, und Deine Entscheidungen genug respektiert, um die echten, oft unschönen Konsequenzen zu zeigen.

Wenn die Story, die RPG-Systeme und der verbesserte Kampf alle im Einklang singen, ist es leicht das fesselndste RPG, das Obsidian je gemacht hat**,** und löst endlich sein „New Vegas im Weltraum“-Versprechen ein.

Aber es ist kein perfektes Spiel. Es ist ein Slow Burner, der Geduld erfordert, und sein beeindruckender Maßstab geht manchmal auf Kosten von repetitivem Gameplay und mangelnder Gegnervielfalt.

The Outer Worlds 2 ist ein zutiefst ehrgeiziges, komplexes und maximalistisches RPG. Es ist ein Spiel, das uns, ähnlich wie sein Vorgänger, vor die Wahl stellt. Wir haben unseren Weg in der Hand.

The Outer Worlds 2 ist ab sofort für PC, PS5 und Xbox Series S/X erhältlich.

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