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Tony Hawk’s Pro Skater 3+4 im Test – glanzvolles Remake mit schmerzhaften Kompromissen

Tony Hawk’s Pro Skater 3+4 landet auf der PS5 als technisches Meisterwerk, dessen Kern-Gameplay süchtig macht wie eh und je.Doch die Entscheidung, die einzigartige Struktur des vierten Teils zu opfern, und ein verstümmelter Soundtrack hinterlassen tiefe Kratzer im Lack.
Ein glorreiches Remake, das an seinen eigenen Kompromissen leidet und einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt.

Vom ersten Moment an fühlt sich Tony Hawk’s Pro Skater 3+4 auf der PS5 absolut fantastisch an. Das Menü ist uns sofort vertraut, eine Weiterentwicklung des klaren Designs aus dem Vorgänger-Remake, und nach einem fantastischen Intro, das Legenden wie Tony Hawk und Rodney Mullen mit den neuen Gesichtern der Skate-Szene verschmilzt, stehen wir auch schon auf dem Brett. 

Die Steuerung ist so präzise und reaktionsschnell, wie wir sie in Erinnerung hatten, vielleicht sogar noch einen Tick besser. Das Gefühl, durch die Gießerei zu rasen, den ersten Kickflip zu landen und in einen langen Grind zu wechseln, ist pure, unverfälschte Freude. Die Ladezeiten sind dank der PS5-SSD praktisch nicht existent; ein Neustart des Levels dauert nur einen Wimpernschlag, was für ein Spiel, das auf Perfektionierung und Wiederholung ausgelegt ist, ein Segen ist.

Die visuellen Verbesserungen sind atemberaubend. Die Level erstrahlen in einer Detailfülle und mit einer Beleuchtung, die die Originale wie blasse Erinnerungen wirken lassen.

Doch schon nach wenigen Minuten im Karrieremodus macht sich ein seltsames Gefühl breit. Wir beginnen mit den klassischen Levels aus Tony Hawk’s Pro Skater 3, und alles ist, wie es sein sollte: Wir haben zwei Minuten Zeit, um Ziele wie das Sammeln der S-K-A-T-E-Buchstaben oder das Erreichen eines Highscores zu erfüllen. 

Doch als wir die Level aus Tony Hawk’s Pro Skater 4 freischalten, erleben wir eine Überraschung, die für Veteranen einem kleinen Schock gleichkommt. 

Auch hier tickt unerbittlich die Zwei-Minuten-Uhr. Die offene Struktur, das freie Erkunden und Annehmen von Missionen bei NPCs, das den vierten Teil damals so revolutionär machte, ist verschwunden. Stattdessen wurden die weitläufigen Areale in das gleiche, starre Korsett gezwängt wie die Level aus dem dritten Teil. 

Dieser erste Eindruck ist prägend und spaltet unsere Wahrnehmung des Spiels von Anfang an: Auf der einen Seite steht ein spielmechanisch perfektes Skateboard-Erlebnis, auf der anderen eine Design-Entscheidung, die einem der beiden namensgebenden Spiele seine Seele zu rauben scheint.

Im Kern ist das Gameplay von Tony Hawk’s Pro Skater 3+4 über jeden Zweifel erhaben. Die Entwickler von Iron Galaxy haben die exzellente Grundlage von Vicarious Visions übernommen und sie um das entscheidende Puzzleteil erweitert, das die Serie an ihren Höhepunkt führte: den Revert. Diese simple Bewegung, die es erlaubt, aus einer Vert-Rampe direkt in ein Manual überzugehen, revolutionierte damals die Art und Weise, wie Combos verkettet wurden. Im Remake fühlt sich die Integration dieses Tricks absolut nahtlos an und eröffnet die „unendlichen Combo-Möglichkeiten“, von denen wir damals nur träumen konnten.

Das Gefühl für das Skateboard, das Zusammenspiel von Geschwindigkeit, Gewicht und Sprunghöhe, ist perfekt ausbalanciert. Jede Bewegung, jeder Trick fühlt sich wuchtig und kontrolliert an. Es ist zweifellos das beste Spielgefühl, das die Serie je geboten hat.

Diese spielerische Perfektion macht die zentrale Kontroverse des Spiels jedoch umso schmerzhafter: die Homogenisierung von Tony Hawk’s Pro Skater 4. Die Entscheidung, die offene Welt und die NPC-basierten Missionen des Originals zu streichen und stattdessen alle Level dem Zwei-Minuten-Timer zu unterwerfen, ist ein fundamentaler Eingriff in das Spieldesign. 

Was im Original eine Erkundungsreise war, bei der man auf skurrile Charaktere wie „Ollie the Bum“ traf oder komplexe, mehrstufige Aufgaben mit eigenen Zeitlimits löste, ist nun zu einer simplen Checkliste verkommen. Die weitläufigen Karten wie Alcatraz oder San Francisco fühlen sich plötzlich unpassend an. Sie wurden nicht für hektische Zwei-Minuten-Läufe konzipiert. Ziele, die im Original eine sorgfältige Planung und präzise Ausführung erforderten, wie die berühmten Switchback-Grinds auf Alcatraz, werden zu einer frustrierenden Hetzjagd gegen die Zeit. Andere Level wirken schlicht zu groß und leer, wenn man versucht, innerhalb von 120 Sekunden alle Sammelobjekte zu finden.

Die Entwickler haben zwar eine Option eingebaut, den Timer auf fünf, zehn oder sogar sechzig Minuten zu verlängern, aber das ist nicht mehr als ein Pflaster auf einer tiefen Wunde. Es gibt uns zwar mehr Zeit zum Erkunden, aber es stellt die ursprüngliche Struktur nicht wieder her. Die Persönlichkeit, die durch die Interaktion mit den NPCs und die einzigartigen Missionsdesigns entstand, ist unwiederbringlich verloren. 

Dadurch werden die Level von THPS 4 effektiv zu einem reinen „Level-Pack“ für THPS 3 degradiert. Es ist eine verpasste Chance, denn anstatt das innovative Konzept von damals mit modernen Mitteln neu zu interpretieren, wurde es aus Gründen der Einheitlichkeit geopfert. Das Ergebnis ist eine seltsame Zweiteilung des Erlebnisses: Die erste Hälfte des Spiels ist ein nahezu perfektes Remake von THPS 3, während die zweite Hälfte ein Kompromiss ist, der dem Erbe von THPS 4 nicht gerecht wird.

Auf technischer Ebene ist Tony Hawk’s Pro Skater 3+4 auf der PS5 eine absolute Augenweide und ein Vorzeigetitel für die Konsole. Wir haben die Wahl zwischen zwei Grafikmodi, die beide überzeugen. Der Qualitätsmodus liefert eine gestochen scharfe, native 4K-Auflösung bei butterweichen 60 Bildern pro Sekunde. 

In diesem Modus kommen die unzähligen neuen Details und die fantastische Beleuchtung der Level, wie die Neonlichter von Tokio oder die feurigen Effekte in der Gießerei, voll zur Geltung. Alternativ gibt es einen Performance-Modus, der die Auflösung auf dynamische 1440p reduziert, dafür aber eine Bildrate von 120 FPS ermöglicht. Dieser Modus ist ein echter „Game-Changer“. Die zusätzliche Flüssigkeit macht die ohnehin schon präzise Steuerung noch reaktionsschneller und das Spielgefühl unglaublich direkt.

Die Integration der DualSense-Funktionen wurde im Vergleich zum Vorgänger-Remake spürbar, wenn auch subtil, verbessert. Das haptische Feedback vermittelt nun ein differenzierteres Gefühl für die verschiedenen Oberflächen. Das Rollen über rauen Beton fühlt sich anders an als das Grinden auf einer Metallschiene, und harte Landungen werden mit einem spürbaren „Wumms“ im Controller quittiert. 

Die adaptiven Trigger leisten bei Reverts einen leichten Widerstand, was das Gefühl der Reibung des Boards auf dem Boden simuliert. Allerdings kann dieser Widerstand bei schnellen Combo-Ketten auch als störend empfunden werden, weshalb viele erfahrene Spieler diese Funktion wohl deaktivieren werden. Es ist eine nette Spielerei, aber keine, die das Gameplay fundamental bereichert.

So brillant die technische Präsentation auch ist, beim Sound offenbart das Spiel seine größte und wohl unverzeihlichste Schwäche: den Soundtrack. Die Musik war schon immer das pulsierende Herz der Tony Hawk-Spiele, ein untrennbarer Teil der Identität und des nostalgischen Gefühls. Leider wurde der Soundtrack in diesem Remake massiv beschnitten. Nur ein Bruchteil der ikonischen Songs aus den Originalspielen hat es in die Neuauflage geschafft. Von den 20 Songs aus THPS 3 sind gerade einmal sechs übrig, und bei THPS 4 sieht es mit nur vier von ursprünglich 35 Titeln noch düsterer aus. Das Fehlen von Klassikern wie „Blitzkrieg Bop“ von den Ramones hinterlässt eine schmerzliche Lücke, die auch die vielen neuen, durchaus passenden Tracks nicht füllen können.

Diese Entscheidung verändert die Atmosphäre des Spiels fundamental und ist ein herber Schlag für alle Fans, die sich auf eine authentische Reise in die Vergangenheit gefreut hatten.

Am Ende unserer intensiven Zeit mit Tony Hawk’s Pro Skater 3+4 bleiben wir mit gemischten Gefühlen zurück. Das Spiel ist ein Paket voller Widersprüche. Auf der einen Seite steht ein spielerisch nahezu perfektes Arcade-Skateboard-Spiel. Die Steuerung ist die beste der gesamten Seriengeschichte, die Integration aller wichtigen Mechaniken ist meisterhaft gelungen, und die technische Umsetzung auf der PS5 ist schlichtweg brillant. 

Die Level aus Tony Hawk’s Pro Skater 3 wurden liebevoll und detailgetreu in die Moderne geholt und machen mehr Spaß als je zuvor. Allein für dieses Kern-Gameplay ist das Spiel eine absolute Empfehlung wert und wird sowohl Neulingen als auch Veteranen unzählige Stunden voller Highscore-Jagden und Combo-Ekstase bescheren.

Auf der anderen Seite stehen jedoch die schmerzhaften Kompromisse. Die Kastration des Karrieremodus von Tony Hawk’s Pro Skater 4 ist eine fundamentale Fehlentscheidung, die dem Spiel einen großen Teil seiner historischen Bedeutung und seines einzigartigen Charmes raubt. Es fühlt sich an, als hätte man ein Meisterwerk verstümmelt, um es in eine fremde Form zu pressen. Gepaart mit dem stark ausgedünnten Original-Soundtrack, der für viele Spieler das Herzstück der Nostalgie darstellt, entsteht ein bitterer Beigeschmack, der sich durch das gesamte Erlebnis zieht. Somit ist Tony Hawk’s Pro Skater 3+4 ein Pflichtkauf für jeden, der das beste Arcade-Skating-Gameplay auf dem Markt erleben möchte. Langjährige Fans müssen sich jedoch darauf einstellen, dass dieses brillante Spiel mit einem gebrochenen Herzen kommt. Es ist ein fantastisches Skateboard-Spiel, aber eine leider unvollkommene Hommage an sein eigenes Erbe.

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