Bild: Skybound / Xbox Store

Wer ist hier wirklich unbesiegbar? – INVINCIBLE VS im Test

Invincible VS bringt die gnadenlose Härte der gefeierten Animationsserie direkt auf die heimischen Bildschirme. Ob sich der Ausflug in dieses brutale Universum für Genre-Fans wirklich lohnt, klärt unsere detaillierte Analyse.

Entwickler Quarter Up wagt sich an das ambitionierte Projekt, die kompromisslose Welt der berühmten Comicvorlage in ein rasantes Beat em Up zu verwandeln. Wir wählen unsere ersten drei Charaktere aus einem soliden Startkader von achtzehn Figuren aus, darunter absolute Fan-Lieblinge wie Mark Grayson, Omni-Man, Atom Eve und Allen the Alien, aber ebenso etwas unbekanntere Gesichter der Marke Bulletproof oder Thula. 

Sofort stürzen wir uns in den Story-Modus, um ein Gefühl für das Spiel zu bekommen. Die erzählte Geschichte fängt die Tonalität der animierten Vorlage wunderbar ein und wirkt vom ersten Moment an wie eine vertraute Episode der dritten Serienstaffel. Solche narrativen Ergänzungen erfreuen unser Fan-Herz enorm.

Die Zwischensequenzen präsentieren sich als wahrer Augenschmaus und leiten fast nahtlos in die actionreichen Gefechte über.

Leider trübt sich dieser hervorragende Auftakt relativ schnell, denn die Kampagne ist extrem kurz geraten. Nach zwei bis drei Stunden flimmert bereits der Abspann über unseren Fernseher, wobei die Handlung derart abrupt endet, dass wir uns fast schon beraubt fühlen.

Ein runder Abschluss fehlt komplett, was den Verdacht nahelegt, dass hier zukünftige Erweiterungen in die Bresche springen müssen.

Dieser spärliche Umfang im narrativen Bereich enttäuscht uns durchaus, da die grundlegende Inszenierung fantastisch funktioniert. Dennoch spüren wir sofort, dass die Macher die Lizenz mit sehr viel Respekt und Liebe zum Detail behandeln. Das Fundament für großartige Auseinandersetzungen ist zweifellos gelegt, auch wenn Solo-Enthusiasten gleich zu Beginn einen merklichen Dämpfer hinnehmen müssen.

Im Kern präsentiert sich Invincible VS als kompetitiver Tag-Team-Brawler im Drei-gegen-Drei-Format. Wir stellen unser persönliches Traumteam aus Helden sowie Schurken zusammen und treten an, um die gegnerische Dreiergruppe vollständig auf die Bretter zu schicken. Die Entwickler entscheiden sich erfreulicherweise für eine sehr zugängliche Steuerung, welche Neulingen den Einstieg erheblich erleichtert. Es gibt ein klassisches System aus leichten, mittleren und schweren Attacken, ergänzt durch eine spezielle Taste für charakteristische Manöver. 

Bereits nach wenigen Minuten reihen wir ansehnliche Trefferfolgen aneinander. Doch unter dieser simplen Oberfläche verbirgt sich eine immense mechanische Tiefe, welche erfahrene Prügelspiel-Veteranen lange Zeit bei der Stange hält. Besonders das Wechseln der Kämpfer mitten im Getümmel sorgt für eine unterhaltsame Dynamik. Wir verlängern unsere Offensivaktionen durch kluge Einwechslungen oder retten einen schwer angeschlagenen Verbündeten im letzten Moment aus der Gefahrenzone.

Die Konfrontationen spielen sich herrlich flüssig und strahlen jene unbarmherzige Wucht aus, für welche die Franchise um Invincible berühmt ist. Gelegentlich zerlegen wir unsere Kontrahenten sogar sprichwörtlich in ihre blutigen Einzelteile, falls wir den finalen Schlag übermäßig hart ausführen – hier wird absolut nichts zensiert.

Neben der tollen Spielbarkeit im Mehrspielermodus offenbaren sich jedoch gravierende Mängel hinsichtlich der Einzelspieler-Inhalte. Abseits der bereits erwähnten, knappen Handlung gibt es lediglich einen sehr standardisierten Arcade-Modus sowie eine simple Trainingsvariante. Es fehlen uns schmerzlich essenzielle Funktionen wie spezifische Combo-Herausforderungen oder detaillierte Leitfäden für die einzelnen Akteure. Wer seine Fähigkeiten perfektionieren möchte, wird von den fehlenden Lernwerkzeugen allein gelassen.

Zudem macht der Kampf gegen computergesteuerte Feinde erstaunlich wenig Spaß. Die künstliche Intelligenz liest häufig unsere Eingaben perfekt, lässt sich aber kaum durch psychologische Tricks oder geschickte Täuschungsmanöver austricksen. Genau diese sogenannten Mindgames machen aber den Reiz des Kampfsystems aus. 

Wir konditionieren menschliche Mitspieler, provozieren Fehler und bestrafen diese gnadenlos. Gegen den Prozessor funktioniert dieses befriedigende Konzept überhaupt nicht. Sobald wir uns allerdings in die Online-Lobbys begeben, brilliert der Titel. Die Netzwerkverbindungen erweisen sich auf der PS5 als äußerst stabil, wodurch wir unsere Reflexe ohne frustrierende Verzögerungen messen können. Das Matchmaking agiert flott, sodass wir stets schnell den nächsten Herausforderer finden. Hier entfaltet das flinke System sein volles Potenzial und fesselt uns für viele intensive Stunden vor den Bildschirm. Die Lernkurve empfinden wir als motivierend, weil uns das Spiel stets spüren lässt, dass Niederlagen auf unsere eigenen Fehler zurückzuführen sind. Jeder gewonnene Schlagabtausch belohnt uns mit einem gewaltigen Adrenalinschub, weshalb wir dem Sog der Online-Schlachten kaum entkommen können.

Optisch schlägt das Werk einen überaus faszinierenden Weg ein. Anstatt auf einen fotorealistischen Look zu setzen, bedienen sich die Schöpfer einer stilisierten Ästhetik, die stark an moderne Animationsfilme erinnert. Die Bewegungen der Figuren wirken teilweise leicht abgehackt, als wären sie absichtlich mit einer reduzierten Bildrate animiert worden, um den Eindruck eines lebendig gewordenen Comics zu verstärken. 

Uns gefällt dieser einzigartige visuelle Ansatz ausgesprochen gut, da er dem brutalen Geschehen eine gewisse künstlerische Eleganz verleiht. Die Performance auf der PS5 bleibt dabei erfreulicherweise durchgehend makellos. Selbst wenn sämtliche Effekte gleichzeitig auf dem Bildschirm explodieren und die Charaktere bildschirmfüllende Spezialangriffe entfesseln, kommt es zu keinerlei Einbrüchen der Bildwiederholrate. 

Die Arenen sind detailreich gestaltet und bieten abwechslungsreiche Schauplätze aus dem bekannten Universum, auch wenn sie im Eifer des Gefechts manchmal etwas in den Hintergrund rücken.

Akustisch liefert das Prügelspiel ebenfalls gewaltig ab. Der Soundtrack, komponiert von der Musikgruppe The Glitch Mob, treibt das Geschehen gnadenlos voran. Dröhnende Synthesizer im Stil der späten Neunzigerjahre paaren sich mit epischen Bläsern sowie treibenden Trommelrhythmen. Diese musikalische Untermalung passt perfekt zur enormen Schlagkraft der Superhelden. 

Auch die Sprachausgabe verdient höchstes Lob. Fast alle originalen Sprecher der Fernsehserie kehren zurück und vertonen ihre digitalen Alter Egos mit gewohnter Brillanz. Bei den wenigen Ausnahmen, in denen Ersatzsprecher engagiert wurden, fällt der Qualitätsunterschied kaum ins Gewicht. Jeder Treffer klingt wuchtig, jedes Bersten von Knochen wird durch brachiale Soundeffekte spürbar gemacht. Diese audiovisuelle Kohärenz zieht uns tief in die Welt hinein und lässt uns die brachiale Realität der Superhelden-Kämpfe am eigenen Leib spüren.

Die Benutzeroberfläche präsentiert sich derweil erfreulich aufgeräumt und modern, was die Navigation durch die verschiedenen Menüs überaus angenehm gestaltet. Alle wichtigen Informationen während der Duelle lassen sich jederzeit klar ablesen. Dadurch behalten wir stets den perfekten Überblick, selbst beim höchsten visuellen Chaos.

Invincible VS ist ein zweischneidiges Schwert, welches jedoch auf der scharfen Seite verdammt gut schneidet. Mechanisch haben die Entwickler ein meisterhaftes Grundgerüst erschaffen, welches sowohl Gelegenheitsspieler als auch Hardcore-Profis gleichermaßen anspricht. 

Die rasanten Auseinandersetzungen im Drei-gegen-Drei-Format strotzen vor Energie, bieten enormen taktischen Freiraum und fangen die unbarmherzige Härte der Comicvorlage perfekt ein. Insbesondere im Mehrspielermodus entfaltet sich ein unfassbar motivierender Gameplay-Loop, der uns Abend für Abend an die PS5 fesselt. 

Die stilvolle optische Präsentation sowie die wuchtige Klangkulisse runden das erstklassige Kampfgefühl grandios ab.

Dennoch können wir über die Mängel im Einzelspieler-Segment keineswegs hinwegsehen. Eine kurze, abrupt endende Geschichte, fehlende Tutorials für komplexe Kombinationsketten sowie ein lustloser Arcade-Modus gegen den Computer trüben das Gesamtbild. 

Wer primär alleine spielen möchte, findet hier schlichtweg zu wenig Inhalt für sein Geld. Allen kompetitiven Naturen und leidenschaftlichen Fans der Serie sprechen wir jedoch eine klare Empfehlung aus. Wir haben selten eine so befriedigende Superhelden-Prügelei erlebt.

Invincible VS ist ab sofort für PC, PS5 und XBOX Series S/X erhältlich.

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