Bild: Everstone Studio

Where Winds Meet – Beta-Einschätzung zum Actionrollenspiel

Nachdem wir den Einladungscode für die geschlossene Beta von Where Winds Meet auf unserer PS5 eingelöst hatten, waren die Erwartungen hoch. Angekündigt als ein episches Open-World-Action-RPG, das in der turbulenten Ära der Fünf Dynastien und Zehn Reiche im China des 10. Jahrhunderts angesiedelt ist, versprach Entwickler Everstone Studio nicht weniger als eine Revolution im Wuxia-Genre.

Die ersten Stunden in der Spielwelt bestätigten diesen Eindruck: Grafisch ist das Spiel, angetrieben von der hauseigenen Messiah Engine, eine absolute Pracht. Die Landschaften sind malerisch, die Charaktermodelle detailliert und die neu für diesen Test freigeschaltete Hauptstadt Kaifeng pulsiert mit scheinbar endlosem Leben. 

Doch schon bald offenbarte sich die zentrale Herausforderung des Titels: Where Winds Meet weiß nicht genau, was es sein will. Es ist ein Spagat zwischen einem narrativ getriebenen Einzelspieler-Abenteuer im Stil von Ghost of Tsushima, einem nahtlosen Koop-Erlebnis für bis zu vier Freunde und einem MMO-Lite mit Tausenden von Spielern. Diese Zerrissenheit durchzieht jede Faser des Spiels und hinterlässt einen ebenso faszinierenden wie frustrierenden Eindruck.

Das Herzstück eines jeden Wuxia-Abenteuers ist das Kampfsystem, und hier orientiert sich Where Winds Meet stark an Vorbildern wie Sekiro. Die Kämpfe sind auf ein Konter-System ausgelegt, bei dem das Parieren von Angriffen die Haltung des Gegners bricht und ihn für verheerende Angriffe öffnet. Wir konnten zwischen verschiedenen Waffen wie dem schnellen Schwert, dem wuchtigen Speer oder eleganten Fächern wechseln, was für eine angenehme taktische Vielfalt sorgt. 

Ergänzt wird das Arsenal durch mystische Wuxia-Fähigkeiten wie Tai-Chi zum Reflektieren von Attacken oder die Nutzung von Chi, um Feinde aus der Ferne zu beeinflussen. In der Theorie klingt das fantastisch. In der Praxis fühlte sich das Kampfsystem in der Beta jedoch oft unpräzise und „janky“ an.

Das Zeitfenster für Paraden wirkte inkonsistent, die Animationen unsauber. Dies untergräbt das auf Können basierende Fundament und führt dazu, dass man sich mehr auf seine Charakterwerte als auf die eigenen Reflexe verlässt. Besonders im Spieler-gegen-Spieler-Modus (PvP) arteten die Kämpfe oft in ein reines Wettrennen um den höchsten Schaden aus, da die Angriffe so schnell waren, dass defensive Manöver kaum eine Rolle spielten. Die Existenz einer „Auto-Parry“-Funktion, die vermutlich für mobile Plattformen gedacht ist, spricht Bände über diesen Designkonflikt.

Abseits der Kämpfe entfaltet Where Winds Meet eine schier unglaubliche Fülle an Inhalten. Das Fortbewegungssystem ist ein absolutes Highlight. Mit übermenschlicher Geschwindigkeit über Dächer zu hechten, über Wasser zu laufen oder durch die Lüfte zu gleiten, fängt das Wuxia-Gefühl perfekt ein. Die Welt selbst ist nicht nur Kulisse.

Wir konnten mit über 10.000 einzigartigen NPCs in Kaifeng interagieren, Opern besuchen, in Badehäusern entspannen oder uns wie in GTA mit den Gesetzeshütern anlegen, indem wir NPCs bestahlen, was zu einer Verhaftung und Gefängniszeit führen konnte. Man kann einer von acht Fraktionen beitreten, die eigene Regeln und Kampfkünste lehren, oder mit einem Bausystem aus über 600 Teilen eigene Gebäude errichten. Diese Fülle an Systemen ist jedoch ein zweischneidiges Schwert.

Das Spiel bombardiert einen mit einer Unmenge an Fortschrittssystemen: Charakterlevel, Weltenlevel, Ausrüstungs-Upgrades, Geister für die Ausrüstung, individuell zu steigernde Fähigkeiten und unzählige Minispiele. Was als spielerische Freiheit beginnt, fühlt sich schnell wie eine überwältigende Checkliste an, die stark an die Grind-Mechaniken von Free-to-Play-Titeln wie Genshin Impact erinnert.

Besonders auf der PS5 offenbarte die Beta erhebliche Mängel, die den Spielspaß trübten. Es wurde schnell klar, dass es sich hierbei um einen Port handelt, dessen Priorität auf dem PC lag. Die Benutzeroberfläche ist für Maus und Tastatur konzipiert und wirkt mit einem Controller überladen und klobig. Viele Menüs waren kaum vernünftig zu bedienen; so war es beispielsweise in der Charakteranpassung fast unmöglich, bestimmte Farboptionen auszuwählen, da die Controller-Eingabe zum Scrollen gleichzeitig die Auswahl änderte. 

Selbst grundlegende Aktionen wie das normale Gehen erforderten eine umständliche Tastenkombination. Auch die technische Leistung ließ zu wünschen übrig. Wir erlebten immer wieder Performance-Einbrüche und Ruckler, die auf eine mangelnde Optimierung hindeuten. Von der versprochenen tiefgreifenden Integration der DualSense-Features wie haptischem Feedback oder adaptiven Triggern war in der Beta so gut wie nichts zu spüren, obwohl dies auf der offiziellen PlayStation-Store-Seite beworben wird. Die PS5-Version fühlte sich nicht wie ein Vorzeigetitel, sondern wie eine nachrangig behandelte Konsolenfassung an.

Nach vielen Stunden in der Beta von Where Winds Meet bleiben wir mit gemischten Gefühlen zurück. Das Spiel besitzt ein enormes Potenzial. Es ist ein bildschönes, ambitioniertes Projekt mit einer faszinierenden Welt und Momenten, die uns emotional berührten und staunen ließen. Gleichzeitig kämpft es mit einer fundamentalen Identitätskrise, einem unpolierten Kampfsystem und einer PS5-Version, die dringend einer Generalüberholung bedarf.

Der größte Schatten liegt jedoch auf dem Geschäftsmodell. Trotz der Behauptung, Mikrotransaktionen seien rein kosmetisch, deuten die unzähligen Währungen, ein Battle Pass und die auf Grind ausgelegten Systeme auf ein aggressives Free-to-Play-Modell hin. Der Erfolg von Where Winds Meet wird davon abhängen, ob die Entwickler das ehrliche Feedback der Beta-Tester beherzigen. 

Wenn es ihnen gelingt, die technischen Mängel zu beheben, das Kampfsystem zu verfeinern und ein faires Monetarisierungsmodell zu etablieren, könnte uns ein wahres Meisterwerk erwarten. Scheitern sie daran, droht der aufziehende Sturm nur ein laues Lüftchen zu werden.

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