Bild: EPOS & PE

Der schnellste Kopfhörer der Welt? EPOS ADAPT 660 Aston Martin Cognizant Formula One im Test

EPOS dürfte vielen Gamern mittlerweile keine unbekannte Marke mehr sein, denn mit ihren Headsets wie dem H3PRO Hybrid Wireless-Gaming-Headset oder aktuellen Flaggschiff H6Pro bietet das dänische Unternehmen auch eigene entwickelte Gaming-Headsets an, nachdem man die Gaming-Sparte von Sennheiser komplett übernommen hat. Wer sich bei EPOS aber einmal näher umschaut, wird erkennen, dass EPOS sich in die Bereiche EPOS Gaming und EPOS Enterprise unterteilt und auch entsprechend Headsets für Gamer und Kopfhörer für den Business-Bereich anbietet. Formel 1 Zuschauer oder gar Fans des Formel 1 Teams Aston Martin, welches als Aston Martin Cognizant Formula One mit dem deutschen Fahrer Sebastian Vettel an der Weltmeisterschaft teilnimmt, werden auch EPOS als Sponsor erkannt haben. In dieser Zusammenarbeit entstand das, unter dem Co-Branding EPOS x Aston Martin Cognizant Formula One, Headset ADAPT 660 AMC.

Als begeisterter Zuschauer der Formel 1 und virtueller Rennfahrer im Spiel F1 2021 und dem neu angekündigten F1 22, finden wir es immer wird begeisternd, dass auch wir in den Genuss dieser Zusammenarbeit kommen und eines der Produkte auf unserem Tisch liegen haben können. Das ADAPT 660 AMC Headset, oder mal grob gesagt, der Bluetooth-Kopfhörer mit ANC, wird aktuell zu einem Preis von 499,- Euro angeboten. Im Aston Martin Formel 1 Shop kostet das Headset sogar über 600 Euro (499 britische Pfund).

Ersteindruck & Lieferumfang

Sportlich und in F1-Manier

EPOS liefert das Headset in einem tiefschwarzen Karton aus, der ohne das Aston Martin Co-Branding einfach nichts aussagend wirken würde. Gerade das schöne Band in British-Racing-Green zieht uns in den Bann der Formel 1, das den Karton umhüllt. Auch wenn Vettel mit seinem Boliden aktuell noch nicht um die Weltmeisterschaft kämpfen kann, ist der Aston Martin eine Augenweide. Die Tradition von Aston Martin im Verbund mit dem Rennsport wird hier einmal mehr verdeutlicht, sogleich Aston Martin auch mit dem bekanntesten Spion der Welt in Verbindung steht.

Nette Sache, zeigt aber auch, dass das Carry Case sehr fusselanfällig ist

Beim Öffnen der Verpackung, die nur von einem EPOS-Logo geziert wird, entpuppt sich das Carry Case, eine Transporttasche zur Aufbewahrung, das mit einem grünen Aston Martin Etikett an der Naht versehen wurde. Im Inneren befindet sich zusammengeklappt das EPOS ADAPT 660 AMC und entsprechendes Zubehör, welches sich in Form eines Micro-USB zu USB-A-Ladekabels, ein 3,5 mm TRRS-Klinke auf 2,5 mm TRRS-Klinke sowie einen USB-A-Dongle zeigt. Letzteres ist bestens geeignet, um das Headset auch an nicht Bluetooth-kompatiblen Geräten wie PC oder gar Spielekonsole betreiben zu können. Abgerundet wird alles mit ein wenig Papier als Bedienungsanleitung und einer verfügbaren EPOS Connect-App. Fraglich ist sicherlich der veraltete Micro-USB-Anschluss und das Klinke-Kabel von 3,5 mm auf 2,5 mm – Alles Standards, die in der heutigen Zeit als veraltet gelten.

Optisch basiert das EPOS ADAPT 660 AMC natürlich auf dem ADAPT 660 Headset, welches noch als Sennheiser | EPOS in Erscheinung tritt. Damit ist schon mal klar, dass diese „Aston Martin Aramco Cognizant Formula One“ Edition keine eigene Entwicklung ist, sondern noch aus des Meisters Händen von Sennheiser aus Wedemark stammt. Das stimmt aber nur auf den ersten Blick, da EPOS hier gleich vier adaptiven ANC-Mikrofonen verbaute, die eine angepasste Geräuschdämpfung in offenen Büroumgebungen bzw. die Reduzierung von Windgeräuschen im Freien garantieren sollen. Hier fällt uns zugleich auf, dass das baugleiche Sennheiser PXC 550-II Wireless für eine UVP von 349,- Euro (Preise bei amazon.de fallen sogar deutlich unter 200 Euro) erhältlich ist und das EPOS ADAPT 660 (ohne Aston Marin Branding) für 439,- angeboten wird. Damit ist deutlich erkennbar, EPOS lässt sich den Auftritt als Sponsor in der Formel 1 einiges kosten und reicht es auch dementsprechend an die Kunden weiter. Die Frage stellt sich aber: Ist das EPOS ADAPT 660 AMC diesen Mehrpreis wirklich wert? – Letztendlich stammt der Kopfhörer vom Prinzip her aus dem Jahr 2016.

Tragekomfort & Verarbeitung

Schlicht & funktionell

Da das ADAPT 660 AMC auf der Basis des gleichnamigen Bruders oder gar dem PXC 550-II auftritt, kann die Optik als schlicht bezeichnet werden und wird nur durch die Applikationen des Co-Branding EPOS x Aston Martin Cognizant Formula One etwas schick aufgefrischt. Dazu gehören sicherlich die dunkelgrün glänzenden Ringe an den Ohrmuscheln sowie der Aufdruck des Aston Martin Cognizant Formula One Aufdrucks an den Gelenken zum Zusammenklappen. Hierbei ist uns aufgefallen, dass es eine farbliche Abweichung zwischen den beiden Applikationen gibt. Während die Ringe an den Ohrmuscheln in einem kräftigen metallischen British-Racing-Green erstrahlen, wirkt die Darstellung am Knick etwas gelblich und verblasst schwach. Dieses Phänomen wirkt für ein Headset dieser Marke mit ihrem gewünschten Auftritt natürlich sehr trübend und enttäuschend zugleich.

Die farblichen Akzente stimmen nicht überein. Das F1-Logo liegt auch einem olivfarbigen Hintergrund.

Setzen wir uns das Headset erstmalig auf, zeigen sich die wohlwollenden Ohrpolster aus Kunstleder, die trotz ovaler Form unsere Lauscher komplett umschließen. Der Tragekomfort kann gerne als sportlich straff und fast schon zu eng bezeichnet werden. Es bedarf schon etwas an Zurechtrücken, bis das ADAPT 660 AMC richtig sitzt. Der Otto-Normal-Verbraucher wird bei dem Headset in der Größenverstellung schnell an seine Grenzen stoßen, denn es wurde sehr klein ausgeführt. Menschen mit einer riesigen „Birne“ werden schnell davon Abstand nehmen und der Kopfbügel erscheint uns zudem etwas schwach gepolstert zu sein.

Die Verarbeitung ist grundsolide und kann als ordentlich bezeichnet werden. In dieser Preisklasse erwarten wir aber hochwertigere Materialien, statt dominant auftretender Kunststoffe, wo man metallische Verstärkungen suchen muss. Zudem wirkt das Kopfband aus Stoff und Kunstleder nicht sehr präzise in der Verarbeitung und scheint sich gänzlich schief zu präsentieren. Ohne jetzt schon auf den Klang und das Soundbild eingegangen zu sein, sowas rechtfertigt den Preis jenseits der 400 Euro nicht und wird auch nicht den Ansprüchen eines Formel 1 Teams gerecht, wo Präzision und eine Auswahl technisch ausgefeilter Materialien zum Einsatz kommen.

Für ein 500 Euro Bluetooth-Kopfhörer kommen uns zu viele Kunststoffe und weitere einfache Materialien zum Einsatz. Da reißt es die Touch-Bedienung dann auch nicht mehr raus

Technik, App & Software

Enttäuschend und unausgereift

Um das EPOS ADAPT 660 AMC in Betrieb nehmen zu können, stehen einem gleich drei Möglichkeiten zur Auswahl. Dazu gehören der direkte kabelgebundene Betrieb mit dem beiliegenden Klinke-Kabel, welches zugleich den Sound auch als das Mikrofon über TRRS-Stecker (4-polig) ermöglicht. Die zweite Möglichkeit offenbart sich im direkten Betrieb über Bluetooth mit kompatiblen Geräten, während der beiliegende USB-Dongle auch einen kabellosen Einsatz an USB-Steckplätzen bietet. Der Dongle und damit das komplette Headset werden sogar von der PlayStation 5 erkannt, und kann daher sogar für Sound und Sprache an Sony’s Konsole genutzt werden. So bedienten wir uns anfänglich, wie bei jedem Bluetooth-Kopfhörer, der Bluetooth-Verbindung mit unserem Smartphone.

Schon fraglich, da die App zwar das Headset namentlich erkennt, aber nicht finden kann.

Hier kam ein Apple iPhone 13 Pro mit aufgespielter Amazon Music App zum Einsatz. Die Verbindung mit dem iPhone erfolgte prompt und ohne Probleme und der Sound erhob sich umgehend. Da EPOS aber ihren Headsets die EPOS Connect-App mit beigibt, spielten wir diese App auf unser Smartphone auf. Obwohl die App das Headset als LE-EPOS ADAPT 660 AMC erkennt, konnten wir keine Verbindung mit der zugehörigen App aufbauen. Damit blieben uns Firmware-Update und Personalisierung des Klangs versperrt. Nach einigen Recherchen kamen wir zu dem Ergebnis, dass die EPOS Connect App in der Version 1.2.0 zuletzt vor 10 Monaten mit einem Update versehen wurde und die Bewertungen mit nur einem Stern alle auf eine schlechte Funktion oder gar Problemen mit dem Verbinden von EPOS Headsets und Kopfhörern zurückzuführen ist. Vielleicht ein Grund, warum EPOS die App auf der zugehörigen Webseite nicht anpreist oder gar erwähnt. Das Ausreizen oder gar die Personalisierung des Klangs ist somit für Nutzer eines iPhones nicht gegeben. Wie es mit Android-Handys aussieht, können wir nicht sagen, da wir in diesem Check keins zur Verfügung hatten. Letztendlich kann das EPOS ADAPT 660 AMC im mobilen Einsatz nicht sein mögliches Potenzial zeigen. Anprangern lässt sich hier aber der Support von EPOS Enterprise, die ihre App gerade mit diesem neuen Modell von Headset in keinster Weise entsprechend pflegen und mit einbinden.

Ohne App und deren möglichen Equalizer können wir den Klang nur oberflächlich beurteilen, da die Geschmäcker im Genre der Musik und der Klangbilder immer unterschiedlich sind und auch entsprechend wahrgenommen werden und wollen. Zu diesem Zeitpunkt konnte uns das ADAPT 660 AMC noch nicht vom Hocker hauen. Die gegebenen Funktionen und das damit erreichte Klangbild bekommen wir auch mit wesentlich preisgünstigeren BT-Kopfhörern geboten, und zwar alles weit unter 150 Euro.

So schnell geben wir aber nicht auf, da wir den beiliegenden USB-Dongle zum Einsatz bringen wollen. Auch hier nimmt es EPOS zu leicht und informiert Kunden nur sehr spärlich über die zugehörige Software, die am PC heruntergeladen werden kann. Eigentlich kennen wir diesen Vorgang von den EPOS-Gaming-Headsets, wobei die zugehörige Gaming-Software für die ADAPT-Headset-Serie nicht genutzt werden kann. Das Portfolio von EPOS wird nur entsprechend der Zuordnung von Gaming und Enterprise in der jeweiligen Software erkannt. Hier taucht zugleich die Frage auf: Warum unterscheidet EPOS zwischen Gaming-Produkten und Enterprise-Headset, wenn sich doch alles in einer Applikation für den PC unterbringen lässt? So kann man sich Welt auch komplex machen!

Die zugehörige Software auf dem PC ist schnell installiert und informiert uns über die Firmware und deren Updates, die sogar werkseitig sich auf dem aktuellen Stand befindet. Obwohl die Software uns einige Einstellungen wie Diktier-, Audio- oder gar Nutzungsmodus bietet und sich zwischen dem BTD 800 Dongle und dem eigentlichen Headset unterschiedliche Möglichkeiten zeigen, haben wir bis auf den Sidetone und Audiobegrenzer keinen Equalizer oder voreingestellte Soundmodi entdecken können. So schließen wir den Bereich Software, App und Klangpersonaldosierung ab und bezeichnen diesen Bereich als unausgereift und enttäuschend. Im Volksmund sagt man auch: Setzen, 6!

Update: Im Laufe unseres Tests und der Ausarbeitung des Reviews, veröffentlichte EPOS Anfang Mai ein Update für die App. Nun sollen ADAPT 660 AMC-, ADAPT 560-, ADAPT 460/T- und ADAPT 360-Headsets unterstützt werden. Leider haben wir gefrustet das Headset Ende März schon zurück an EPOS geschickt und können das Update der App nicht mehr testen. Unser Review liegt seit 1. Mai fertig ausgearbeitet auf dem Server und musste nur noch im Layout geprüft werden. Fraglich bleibt aber für uns: Warum wird ein Headset auf den Markt gebracht, eine App zur mobilen Nutzung angeboten und erst über ein Jahr später integriert? Da braucht man sich doch über negative Kritik im App-Store nicht zu wundern! Kommen die Software-Entwickler aus der Gaming-Branche, wo ein Spiel auf den Markt kommt und erst mit Patches zum Laufen gebracht wird?

Sound & Klangbild

Verhalten und zu schwach

Eigentlich ist unser Geduldsfaden schon sehr beansprucht worden, da wir weder in der Software einen Equalizer gefunden haben noch die App für das Smartphone das Headset erkennen wollte und EPOS das ADAPT 660 AMC zum Hören von hochwertiger Musik anpreist. Dabei ist das EPOS Headset grundlegend gut ausgestattet. Dazu gehören die Konnektivität per Bluetooth-Standard 5.0, mit den Codecs AptX, AptX mit geringer Latenz, AAC und SBC. Die Treiber bieten ein Frequenzband von 17 Hertz – 23.000 Hertz bei einem Schalldruckpegel (SPL)von maximal 118 dB, begrenzt durch EPOS ActiveGard. Zusätzlich bietet das ADAPT 660 AMC Hybrid-ANC mit adaptiver ANC-Technologie, mit 4 Mikrofonen, die letztendlich eine Geräuschdämpfung von bis zu 30 dB ermöglichen – regelbar in 3 Stufen, alle bei einer Akkulaufleistung von bis zu 30 Stunden.

Mit einem 2,5 mm Klinke-Anschluss und Micro-USB werden hier veraltete Standards geboten – Geht aus heutiger Sicht überhaupt nicht mehr!

Das grundlegende Klangbild kann hier gerne als kräftig, intensiv und imposant bezeichnet werden. Die Höhen sind sehr klar und sauber, scheinen aber im Klirrfaktor sich etwas eingesperrt zu fühlen. Tiefen und Bässe sind ebenfalls vorhanden und lassen es kräftig rumsen, während die Mitten wunderbar abgemischt wurden, aber den Kick vermissen lassen. Ein Sound, wie er nur schwer bei Kopfhörern vorzufinden ist und gerade das ADAPT 660 AMC mit Ehrlichkeit auftrumpfen lässt. Im direkten Vergleich mit dem Sennheiser Momentum 3 muss sich der ADAPT 660 AMC aber noch hinten anstellen. Dies liegt wohl an der fehlenden Klangpersonalisolierung, die uns versperrt bleibt. Für einen Bluetooth-Kopfhörer in der 400 bis 500 Euro Klasse ist das alles aber viel zu schwach, denn das Soundbild bleibt zu verhalten und lässt einem das ultimative audiophile Klangerlebnis vermissen. High-End-Sound ist das bei Weitem nicht! Da kehren wir gerne zu Muttern zurück und bleiben bei dem Momentum 3!

Fazit

Eine Enttäuschung, wie der aktuelle Aston Martin AMR22

Mit dem ADAPT 660 AMC liefert uns EPOS eine Bluetooth-Headset/ Kopfhörer ab, der optisch sehr ansprechend wirkt und die Zusammenarbeit mit dem Aston Martin Aramco Cognizant Formula One-Team unterstreicht. Obwohl das ADAPT 660 AMC im Grunde eine Entwicklung aus dem Hause Sennheiser ist, scheint EPOS die Software des Kopfhörers nicht im Griff zu haben. Die App auf dem Smartphone verweigert grundsätzlich ihre Bereitschaft, während die PC-Software im eigentlichen Sinne sich als nutzlos erweist. Es zeigen sich zu deutlich die Parallelen zum Aston Martin AMR22 F1 Boliden, der zwar schick und ansprechend ist, aber irgendwie nicht so richtig für einen Sieg sorgen kann. Zudem kann das ADAPT 660 AMC als viel zu teuer bezeichnet werden. Dieser Preis von 499,- Euro ist nicht gerechtfertigt, nur für ein wenig grüne Applikationen und einem „Aston Martin Cognizant Formula One-Team“ Schriftzug. Klanglich muss sich das Headset dann auch noch in die 200 Euro-Klasse einreihen, denn so richtig vom Hocker konnte es uns nicht hauen. Für knapp 500 greifen wir dann doch lieber auf andere Bluetooth-Kopfhörer mit der Möglichkeit zum Telefonieren zurück und raten allen anderen die Finger von dem „Ding“ zu lassen. Schade, dabei konnte uns EPOS doch im Gaming-Bereich immer überzeugen.

Viktor Kaczmarek
Seit Anbeginn der Datasette von Computergames begeistert. Spielt alles was sich bewegt und für Atmosphäre sorgt. Nimmt gerne Peripherie unter die Lupe und auch auseinander, es bleiben immer Schrauben übrig. Germany 48.406558, 9.791973