Bild: Creative & PE

Kabellose Over-Ear-Kopfhörer mit hybrider aktiver Geräuschunterdrückung im Test: Creative Zen Hybrid

Als Pionier im Bereich Soundkarten konnte sich Creative mit ihrem Sitz in Singapur einen Namen nicht nur bei den Gamern machen, denn in den letzten Jahren hat sich das Unternehmen ständig weiterentwickelt und ihr Portfolio mit Lautsprechern, Headsets und Kopfhörern weiter ausgebaut. Zu ihren neusten Produkten gehört das ZEN HYBRID, ein kabelloser Over-Ear-Kopfhörer mit hybrider aktiver Geräuschunterdrückung, denn wir natürlich auf unsere Rübe gesetzt haben. Ob er unseren Ansprüchen im Alltag bestanden hat, könnt ihr den weiteren Zeilen entnehmen, denn mit einem Einstiegspreis von 109,99 Euro ist Attraktivität gegeben.

Produktvideo

Ersteindruck & Komfort

Weiß, leicht & bequem

Ganz unscheinbar und unaufdringlich präsentiert Creative ihren ersten ANC-Kopfhörer, denn die Verpackung wurde in seinem Erscheinen auf das Notwendigste und damit minimal gehalten. Das liefert jetzt sicherlich nicht den gewünschten pompösen Auftritt, zeigt aber ein reges Interesse an Nachhaltigkeit, unsere Ressourcen nicht unnötig zu vergeuden. Dennoch gewährt die Verpackung einen ersten Blick auf den ANC-Kopfhörer und liefert alle gewünschten technischen Daten. Zum Lieferumfang gehören der eigentliche Zen Hybrid Kopfhörer, ein Verlour-artiger Transportbeutel, ein USB-C auf USB-A-Ladekabel, ein 3,5 mm TRS-Klinkenkabel mit einseitig abgewinkeltem Stecker, die Bedienungsanleitung für den sofortigen Gebrauch und ein wenig weiteres Papier.

Halten wir den Creative Zen Hybrid erstmalig in der Hand, zeigt sich dessen schneeweißes Kleid, welches nur durch die grauen Ohrpolster und die dezente Beschriftung mit einigen Akzenten versehen wurde. Zu spüren bekommen wir auch das Gewicht, welches hier nur 271 Gramm auf die Waage bringt. Erreicht wird das Leichtgewicht durch eine Verwendung von Kunststoffen, die auch das allgemeine Bild prägen, aber mit einem verstellbaren Federstahlbügel verstärkt wird. Zugleich müssen wir erwähnen, dass sicherlich Design und Materialauswahl sauber und harmonisch abgestimmt sind, aber einfach zu plastisch wirken – Plastisch im Sinne des einfachen Kunststoffes. Das schmerzt jetzt nicht, verdeutlicht aber das angelegte Preissegment von um die 100 Euro herum. Im direkten Vergleich zu eines seiner Brüder und Schwestern, wie dem Creative SXFI Air Gamer wirkt der Zen Hybrid nicht ganz so hochwertig, aber neutraler und unauffälliger.

Stülpen wir uns den Kopfhörer auf unsere Rübe, macht sich Wohlwollen breit, da hier die Leichtigkeit zum Tragen kommt, während die weichen Ohrpolster unsere Lauscher komplett umschließen und somit eine passive Geräuschunterdrückung abliefern. Schon jetzt zeigt sich eine spürbare Minderung der Umgebungsgeräusche. Den Tragekomfort bezeichnen wir als bequem, da auch der Druck des Federstahlbügels dezent, nicht zu sportlich oder zu straff gewählt wurde und dennoch einen optimalen Halt auch beim Jogging ermöglicht.

Schlichtes aber modernes Design

Technik & App

Super X-FI Headphone Holography

Beim Zen Hybrid hat Creative alles in die Waagschale geworfen, was sich derzeit bei ihnen für ein optimales Audioerlebnis in der Schublade befindet. Dazu gehören die Super X-FI-Technologie samt App, welche mit einer hybriden Geräuschunterdrückung wählbar unterstützt wird. Das Pairing gestaltet sich mit dem Bluetooth 5.0 unkompliziert und mit dem Codecs AAC und SBC wird einem Preis-freundlich die Klangqualität übertragen. Fraglich ist vorab die Anmerkung auf der Verpackung, die uns darüber informiert, dass die Super-X-FI-Technologier nicht in Kombination mit vorhandenen Apps wie Netflix, Spotify, Tidal und Youtube genutzt werden kann – Wir nehmen einfach mal Amazon Music mit in die Liste auf, wollen es aber später genauer ausprobieren.

Das Pairing mit eines der gewünschten Geräte erfolgt über den Powerbutton, das zugleich auch eine akustische Meldung ausgibt. Sämtliche Bedienknöpfe sind leicht zu erreichen und beschränken sich mit dem Powerknopf, der ANC-Aktivierung und einer Wippe für die Lautstärkenregulierung auf das Minimalste. Laut Bedienungsanleitung können wir in Kombinationen mehrerer Tasten das Playback steuern und Anrufe verwalten. Diese „Combos“ aber auswendig zu lernen, ist uns einfach zu umständlich und daher bevorzugen wir effektiver den Griff zum Smartphone. Nichtsdestotrotz ist die Unterstützung der Sprachassistenten Alexa und Siri dennoch als nett anzusehen. Die aktive Geräuschunterdrückung (ANC) kann mittels des großen Knopfes direkt am Kopfhörer aktiviert werden, wobei uns hier enttäuschenderweise nur das On und Off geboten wird. Einen Mittelweg gibt es nicht, um eventuell das ANC nur dezent wirken zu lassen. So machen wir uns an die App, um mehr in Erfahrung bringen zu können.

Alle Tasten sind gut an der linken Ohrmuschel erreichbar – Alles Weitere lieber über das Smartphone steuern!

Die Super-X-FI-Headphone App wird für Android und iOS angeboten und ist binnen weniger Minuten installiert. Schon beim Öffnen der App werden alle unterstützen Produkte von Creative aufgelistet, wobei das Zen Hybrid sich noch nicht darunter befindet. Das letzte Update liegt 5 Monate zurück. Zugleich müssen wir uns hier einmal mehr anmelden und registrieren – Kann man nicht mal eine App nutzen, ohne gleich alle Daten an den Hersteller zu übermitteln? Wo bleibt eigentlich die Privatsphäre? Im Grunde dient die App nur zum Einmessen des Ohres, um die Headphone-Holography-Technologie für einen atemberaubenden Klang nutzen zu können. Leider funktioniert dieser Soundeffekt nur in Verbindung mit lokal gespeicherten Songs und nicht mit Musikstreamingdiensten wie Spotify, Amazon oder gar Tidel & Co. Diese Enttäuschung zeigt sich dann auch in der App-Bewertung von rund 2,3 Sternen von 5 möglichen. Eine Aktivierung unterschiedlicher ANC-Stufen oder gar ein Equalizer bietet die App nicht und kann daher getrost außen vor gelassen werden.

Sound & Klangbild

kräftig, aber eingebremst

Creative spendierte dem Zen Hybrid zwei Custom-tuned 40 mm Neodymium Driver, mit einer maximalen Belastbarkeit von 117 dB, bei 32 Ohm für einen Frequenzbereich von 20 Hertz bis 20.000 Hertz. Jene Treiber liegen gut eingebettet in den Ohrmuscheln und können auf jeden Fall ordentlich Druck erzeugen. Die Höhen kommen gut herüber, während die Mitten wohl über den Tiefen liegen und etwas den Tiefbass einbremsen. Das klingt jetzt alles sehr sauber und aufgeräumt und bietet bei Amazon sogar die Möglichkeit gute Klangqualität in Dolby Atmos, 360 Reality Audio oder Ultra-HD mit 24 Bit bei 48 kHz genießen zu können. Doch gerade bei den modernen Tonformaten mit ihrem 3D-Klang scheint der Zen Hybrid kaum Unterschiede zum bekannten Stereomodus hörbar zu machen. Es klingt alles sehr gleich und wertet den 3D-Sound definitiv ab. Hier fehlt es eindeutig an Feingefühl, um auch das Optimum erleben zu können. Erreicht wird das sicherlich nur von klanglich hochwertigeren Kopfhörern, die aber den vorliegenden Preisrahmen von 100 Euro deutlich übersteigt. Wir würden dann Äpfel mit Birnen vergleichen.

Funktioniert auch mit Kabel

Das Klangbild des Zen Hybrid kann in dieser Preisklasse als Zugpferd bezeichnet werden und liefert einen Sound ab, der sowohl Freunde der Volksmusik als auch Podcast-Genießer bis hin zu basslastigen Rap, Dance und Trance zufrieden stellt. Kurzum: Er ist sehr breit aufgestellt und nicht auf ein Genre ausgelegt worden, was sich auch beim Telefonieren zeigt und ungestörten Musikgenuss in Kombination mit dem ANC ermöglicht. Gerade jetzt, wo die Züge mit dem 9-Euro-Ticket stark überfüllt sind, kann man mit dem Zen Hybrid sich wenigstens akustisch abschotten, auch wenn Optik und Duft im dichten Gedränge immer noch qualvoll hinzunehmen ist.

Damit dem Zen Hybrid auch nicht zu schnell der Saft ausgeht, wurde ein 500 mAh Akku verbaut, der selbst mit aktivierter Geräuschunterdrückung an die 27 Stunden Laufzeit ermöglicht und bei reiner passiver Geräuschunterdrückung bis zu 37 Stunden – Steht immer in Abhängigkeit mit der gewählten Lautstärke, die im Durchschnitt mit 50 Prozent angegeben wird.

Fazit

Preisfreundlicher ANC-Kopfhörer

Mit dem Zen Hybrid liefert uns Creative einen optisch ansprechenden ANC-Kopfhörer, der mit seinem schlichten und dennoch modernen Design bequemen Tragekomfort bei bester Abschottung bietet, ohne auf ein kraftvolles Klangbild verzichten zu müssen. Sicherlich kann der Zen Hybrid nicht mit großen namhaften Artverwandten mithalten, liefert aber für sein Geld sehr ordentliche Dienste ab. Der Sound überzeugt, geht wenig Kompromisse ein, ist breit aufgestellt und lässt euch auf Reisen nicht zu schnell im Stich – Binnen 5 Minuten Ladezeit können weiter 5 Stunden genutzt werden, während 1,5 Stunden eine komplette Ladung liefert. Der Zen Hybrid ist ein ANC-Kopfhörer, der auch ganz ohne aktive Geräuschunterdrückung ein überzeugendes Preis-, Leistungsverhältnis bietet und dabei sehr unauffällig auftritt. Eine Empfehlung für alle, die nicht zu viel Geld in einen Over-Ear-Kopfhörer mit ANC-Funktion ausgeben wollen. Kritikpunkt bleibt aber die App, die Potenzial verschenkt und uns weder Klangmodi noch Equalizer liefert – Wenn dann nur für lokale Musikdateien genutzt werden kann.

Viktor Kaczmarek
Seit Anbeginn der Datasette von Computergames begeistert. Spielt alles was sich bewegt und für Atmosphäre sorgt. Nimmt gerne Peripherie unter die Lupe und auch auseinander, es bleiben immer Schrauben übrig. Germany 48.406558, 9.791973