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Kein Bock auf Zocken: Hat uns die Coronazeit übersättigt?

Bedingt durch die Corona-Pandemie feierte die Gaming- und Streaming-Branche ein Wachstum, mit dem vor 3 Jahren noch nicht zu rechnen war. Gaming, aber auch das TV-Streaming rückte durch die gezwungene körperliche Abgrenzung von der öffentlichen Gesellschaft mehr in den Vordergrund, denn der persönliche Kontakt oder gar das gesellschaftliche Zusammentreffen war nicht nur gesundheitlich unerwünscht, sondern auch verboten.

Das Zocken wurde in den letzten Jahren zu einer Sinnbild der Zeit.

Müdigkeit, Erschöpfung und eingeschränkte Belastbarkeit (Fatigue), Kurzatmigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Schlafstörungen, Muskelschwäche- und -schmerzen zählen mit zu den Covid-Langzeitfolgen, ob man sich nun mit Corona angesteckt hat, erkrankte oder schlichtweg zum Großteil der Geimpften gehört. Ein Phänomen, welches sich nicht nur auf die Pandemie im Sinne einer Erkrankung beschränkt, sondern auch als Folge der heimischen Tristheit zurückzuführen ist. Obwohl dem Gamer ein reichhaltiges Angebot im Lockdown zu Füssen gelegt wurde, macht sich ein Völlegefühl breit. Der einstige Minimalismus im Verzehr von Games oder dem Streaming-Angebot wurde durch Überfluss geprägt, da einem sprichwörtlich die Hände gebunden waren. Das Kino fand zu Hause statt, während andere ein Game nach dem anderen verzehrten.

Die Zeiten scheinen sich nun zu bessern, denn die ersten Bars und Cafés öffnen wieder, Kinobesuche sind wieder möglich, das Reisen scheint mehr in den Fokus des anstehenden Sommers zu rücken, die Gesellschaft kann sich nun wieder persönlich und mit körperlicher Anwesenheit treffen. Dazu gehört sicherlich auch die gamescom, die in den letzten 2 Jahren nur digital stattfand. An den massigen Auflauf müssen wir uns dann aber auch wieder gewöhnen und unsere Gedanken von der Pandemie befreien – Eng an eng ging es auf der gamescom schon immer her.

Leere Straßen gehörten mit zum Bild der Pandemie

Obwohl dem Gamer mit zahlreichen Angeboten und Preisnachlässen sowie neuen AAA-Titeln in diesem Frühjahr einige Titel geboten wurden, scheint sich die Lust auf das Gaming auf ein gewisses Maß zu beschränken. Das liegt an dem Übermaß des Genusses in den letzten 2 Jahren, wo wir selbst die Remakes und Retro Games aus der Jugend erneut verschlungen haben. Das andere ist sicherlich auch der Mangel, denn die Next-Gen-Konsolen wie PlayStation 5 oder auch die Xbox Series X sind immer noch nicht im Handel frei verfügbar. So zocken einige auf den modernen Konsolen, während andere Spieler noch die alten Controller in den Händen halten müssen. Das führt zu Frust, denn den täglichen Verlauf zum Erwerb mag kaum noch einer verfolgen. Die Preise sind weiterhin unverschämt, denn das Angebot und die Nachfrage bleiben weiterhin unverändert. Mit dem anhaltenden Effekt des Krieges in der Ukraine ist eine Besserung nicht in Sicht. Hinzukommt, dass in China weiterhin ein harter Lockdown anhält, der die Lieferketten von Technik nach Europa einbremst. Zudem wird man von einer Ungewissheit gequält, ob wir uns jemals wieder in die alten Zeiten bewegen. Party machen, nicht nur in eines der unzähligen Chats am PC oder Konsole, während das „Prost“ auch mal ganz ohne Headset wahrgenommen werden kann.

Die Philosophie unserer Lebensgrundlage und dem Beisammensein, dem Miteinander, hat sich heute grundlegend verändert. Ein Bild ganz ohne Masken im Alltag gleicht einem Account ohne Avatar, mit wahren Gesichtern. Verhalten oder gar zurückhaltend gehen wir aufeinander zu, im Alltag schwieriger als Online – So müssen wir erst wieder den Mut finden, offen auf Menschen zugehen zu können und ihnen gar die Hand geben zu können. In der heimischen Stube mit ihren Online-Chats, Konferenzen und Spielsitzung wurde diese Angst nie deutlich.

Obwohl dem eingefleischten Gamer so manches Klischee auferlegt wird, treibt es mit den ersten Sonnenstrahlen alle nach draußen. Weg von der Couch, raus auf die Straße, auch wenn die Preise im Handel uns derzeit viel abverlangen. Das Einkaufen und Bummeln erinnern eher an die Regale im Real-Sozialismus, den viele wohl nur aus dem Fernsehen kennen. Dabei stehen Gaming-Hardware oder Peripherie wohl weniger im Fokus, da man sich in den letzten Monaten gut eingedeckt und ausgestattet hat. Ein Bild, welches kaum zufrieden stellt, obwohl die Freiheit im uneingeschränkten Ausgang nun wieder möglich ist. Die Lust auf Leben müssen viel wohl neu erlernen, ebenso wie das wieder aufeinander Zugehen. Ob sich alle in Zukunft das Gaming überhaupt noch leisten können oder wollen, ist nicht nur eine persönliche Entscheidung, sondern auch eine der gebotenen Möglichkeiten.

Seit Anbeginn der Datasette von Computergames begeistert. Spielt alles was sich bewegt und für Atmosphäre sorgt. Nimmt gerne Peripherie unter die Lupe und auch auseinander, es bleiben immer Schrauben übrig. Germany 48.406558, 9.791973