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[ PRESS PLAY ] Wer schaut eigentlich noch ARD & ZDF?

Das allabendliche Fernsehprogramm wird heute nicht mehr von der Tagesschau oder dem sonntäglichen Tatort geprägt, sondern große Streaminganbietern haben uns gerade zur Weihnachtszeit mit ihrer freien Auswahl unterhalten. Wer zudem keine Auswahl gefunden hat, schmeißt den PC oder die Spielekonsole an oder surft im Netz nach Kurzvideos auf Youtube, schaut auf Twitch vorbei und schaufelt dabei den einen oder anderen Snack in sich rein.

Einen vollwertigen Nutzen zieht der heutige Bürger in Deutschland wohl nicht mehr aus den öffentlich rechtlichen Medien, da mit dem Internet nicht nur die Informationsflut diverser privater Anbieter gewachsen ist, sondern zugleich der Unterhaltungswert deutlich an Mehrwert gewonnen hat. Dabei kommt ein Haushalt um die monatliche Gebühr des Rundfunks nicht herum. Seit August 2021 zahlen wir für jeden Wohnraum 18,36 Euro im Monat, ob wir nun im Besitz eines empfangsbereiten Gerätes sind oder gar dessen Service überhaupt nutzen. Gerne wird die Rundfunkgebühr auch als „Zwangsvollstreckung“ gesehen, denn wir zahlen für einen Service, denn wir überhaupt nicht nutzen oder nutzen wollen.

Aber warum zahlen, wenn wir es nicht nutzen?

Vielfalt und Qualität für alle – das ist die Aufgabe der frei zu empfan­genden Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Hörfunk, Fernsehen und Internet. Der Rundfunk­beitrag finanziert dabei das Programm des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf Basis eines soli­darischen Modells. Das Ziel dabei ist, eine möglichst große Gerech­tigkeit bei der Finanzierung zu gewähr­leisten. Solidarisch bedeutet dabei, dass alle Bürger, Unternehmen, Institutionen und Einrich­tungen des Gemeinwohls in Deutschland einen Beitrag leisten, damit jeder profitieren kann. Somit tragen Sie dazu bei, dass auch in Zukunft ein unabhängiges, hochwertiges und vielfältiges Programm möglich ist.

rundfunkbeitrag.de

So kann der Rundfunkbeitrag gerne auch als „Spende für Bedürftige“ gesehen werden, damit die unabhängigen Medien einen konstruktiven Beitrag der Berichterstattung in Deutschland verrichten können. Die Frage, die sich hier aber stellt: Wie schaffen es private Medienanstalten sich selbst zu finanzieren? Sind die privaten Medien nicht unabhängig und konstruktiv? Müssen wir den privaten Medien Beeinflussung vorwerfen? Die Frage kann aber definitiv mit Nein beantwortet werden. Private Medien sind sogar konstruktiver, informativer, unterhaltsamer und zeigen das auch in der Anzahl ihrer Leser, Zuschauer und Zuhörer. Wenn die ARD & ZDF nicht alle Jahre die Europameisterschaft oder Weltmeisterschaft im Fußball übertragen würde, würde wohl kaum ein junger Bürger in diesem Land die Kanäle anzappen.

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Sind ARD & ZDF noch zu retten?

In Zeiten des deutschen Wirtschaftswunders zählte der öffentlich rechtliche Rundfunk in jedem Haushalt zur allabendlichen Unterhaltung. Mit dem 3. Rundfunk-Urteil im Jahr 1981 wurde der Weg für das Privatfernsehen geebnet und die ersten Sender von Sat.1 und RTL nahmen im Januar 1984 den Sendebetrieb auf. Im Laufe der Zeit veränderte sich nicht nur die Fernsehwelt, denn mit der Digitalisierung gewann das Streaming an Bedeutung. So bieten heute Netflix, Disney+, Amazon Video und weitere ein umfangreiches Spektrum an Unterhaltung an, die wir nach den eigenen Wünschen und Bedürfnissen anpassen können. Auch, wenn die öffentlich rechtlichen Medien mit einer breiten Sender-Vielfalt und diversen Mediatheken versuchen, mit den privaten Sendern Schritt zu halten, haben ARD, ZDF & Deutschlandfunk den Kampf um das junge Publikum längst verloren. Das bestätigte nun auch der Entertainer Thomas Gottschalk, der seinem Unmut in der Audio-App Clubhouse Luft machte und den öffentlich rechtlichen Medien „Angst, sang- und klanglos unterzugehen“ entgegenbrachte.

Die Zukunft des Deutschlandfunks liegt sicherlich nicht Fernsehen, sondern eher in der Berichterstattung im Internet und im Hörfunk. Hier kann die ARD und das ZDF noch mit Unterhaltung aufwarten und trumpft in erster Linie mit einem fast werbefreien Hörprogramm auf. Das Radioprogramm ist wesentlich breiter aufgestellt und bedient mit unterschiedlichen Genres an Musik die Zuhörer. Dazu gehören auch Podcast und Unterhaltungssendungen. Im direkten Vergleich ist das Fernsehen der öffentlich rechtlichen Medien eher überdosiert und doppelt gemoppelt. Wozu brauchen wir gleich 5 Ländersender des WDR, wenn nur einmal am Tag dort regional berichtet wird? Gleiches gilt für die weiteren Länder-Sendeanstalten von Bayern bis Hamburg. Hinzukommen weitere Fernsehsender der ARD und des ZDF, die wohl kaum einer kennen wird. An die 50 Sendeplätze belegt der öffentliche Rundfunk an Fernsehsendern bei uns, die sich in unterschiedliche regionale Programme und das HD-Angebot aufteilen. Das alles schaut sich das junge Publikum und der allgemeine Bürger in Deutschland wohl kaum an!

Fernsehen für eine Minderheit, bezahlt von der Mehrheit

In der Beschreibung des Beitragsservice steht, dass man mit dem Rundfunkbeitrag ein unabhängiges, hochwertiges und vielfältiges Programm damit möglich macht. Die Unabhängigkeit darf hier auf keinen Fall infrage gestellt werden, auch wenn so mancher Beitrag Fragen aufwirft. Bei der Vielfältigkeit kommt man aber gerne ins Zweifeln, denn viele Programme gibt es mehrfach und in HD. Ob das Programm nun tatsächlich hochwertig ist, mag man kaum bejahen. Das heutige Publikum ist doch eher von den sozialen Medien geprägt worden und nicht von steifen Krawatten und Kostümträgerinnen, die uns die Neuigkeiten des Tages an uns herantragen. Ob indessen der letzte Tatort wirklich mit Spannung uns in die Couch drückte oder unsere Augenlider schließen ließ, liegt weiterhin im Auge des Betrachters. Da kann dann auch nicht der weihnachtliche Musikantenstadl für Stimmung sorgen, wenn unsere musikalische Gesinnung mehr den aktuellen Charts hinterherhechelt. Letztendlich kann man so dreist sein und sagen, dass die ARD und das ZDF nur noch Zuschauer aus der pandemiebedingten Corona-Risikogruppe hat, die aus den über 60-Jährigen besteht. Was vor über 70 Jahren unvorstellbar gewesen wäre, wird die Zukunft weisen: Stell dir vor, es gibt Fernsehen und keiner schaut zu!

Kritik gilt es auch an den privaten Sender zu üben

Auch wenn den öffentlich rechtlichen Medien schnell deutsche Bürokratie und eine Misswirtschaft vorgeworfen werden kann, so sollte auch Kritik gegenüber den privaten Sendern geübt werden. Warum? Weil sämtliche private Sendeanstalten im Fernsehen noch in SD-Qualität senden und selbst das bekannte DVD-Format von 720p nur zu einem Aufpreis verfügbar ist. Dabei haben wir doch alle einen Fernseher daheim, der locker 1080p möglich macht. Um es deutlich zu machen, die übertragen uns hier die Qualität einer VHS-Videokassette und das in Zeiten, wo 8K Fernseher fast schon für den Ottonormalverbraucher erschwinglich werden.

Denn Sinn nicht infrage stellen!

Die öffentlich rechtlichen Medien sind wichtig und dessen Sinn sollte man nicht infrage stellen, denn es sollte auch weiterhin eine unabhängige Informationsquelle für alle Bürger zur Verfügung stehen. Ob die öffentlich rechtlichen Medien damit in Zukunft auch weiterhin Zuschauer gewinnen, ist natürlich eine andere Frage. Jene kann nur beantwortet werden, wenn die Herren und Damen des Deutschlandfunks den Blick in Zukunft wagen und Veränderungen der Unterhaltung möglich machen und den Wert darin erkennen. Die unüberschaubare Vielfalt sollte dezimiert werden, damit das Publikum die Vielfalt übersichtlich wahrnehmen kann und der Wert der Unterhaltung darin erkannt wird. Es wird Zeit für Qualität, statt Quantität!

Viktor Kaczmarek
Seit Anbeginn der Datasette von Computergames begeistert. Spielt alles was sich bewegt und für Atmosphäre sorgt. Nimmt gerne Peripherie unter die Lupe und auch auseinander, es bleiben immer Schrauben übrig. Germany 48.406558, 9.791973