[ PS5 TEST ] HUNTING SIMULATOR 2 – meditative Jäger-Simulation

Jagd-Simulationen haben Hochkonjunktur. Der Hunting Simulator 2 aus dem Hause Nacon schlägt da genau in diese Kerbe und schickt uns in naturbelassene weite Landschaften. Wir haben Hunting Simulator 2 für euch getestet.

Ersteindruck
Erleben und verstehen

Mein reales Ich steht der Jagd von Tieren ablehnend gegenüber. Seinerzeit habe ich den Dienst an der Waffe verweigert, als die Bundeswehr mich zur Wehrpflicht aufrief. Auf das Töten von Tieren reagierte ich mit Fleischverzicht und ernährte mich fortan vegetarisch. Als mich nun der Hunting-Simulator 2 dazu einlud, allerlei wildlebende Säuger in malerischen Landschaften aufs Korn zu nehmen, war ich sofort interessiert. Spiele sind immer dann am spannendsten, wenn wir mit ihnen Dinge erleben und verstehen können, die in unserem realen Alltag keine Rolle spielen. Auf geht’s.

Die Landschaften Texas bieten den Blick auf malerische Canyons.

Gameplay
Vorbereitung ist die halbe Jagd

Besonders für Genre-Neulinge wie mich ist das einleitende Tutorial von essenzieller Bedeutung. Der Hunting Simulator 2 versteht es gut, uns den Start ins Spiel zu erleichtern. Auf unserer ersten Mission geht es darum, die Fährte eines Weißwedelhirschs zu finden und sie anschließend anhand der Spuren zu deuten und zu verfolgen. Manchmal gibt das Tier einen direkten Hinweis auf seinen Standort, in denen es charakteristisch in die Wildnis röhrt. Nichtsahnend, dass wir uns ihm nähern. Damit das so bleibt und wir das Tier nicht aufschrecken, sind wir zur äußersten Diskretion angehalten. Vorsicht und Geduld sind nicht nur die Mutter der Porzellankiste, sondern entscheiden auch über unseren Jagderfolg.


Mit der Jagd-Mechanik von Red Dead Redemption 2 sollte man Hunting Simulator 2 jedenfalls nicht vergleichen. In Rockstar Games Open-World-Epos mag die Jagd auf die amerikanische Fauna zwar auch von tragender Bedeutung sein, doch gestaltet sich diese eher einfach zugänglich und actionreich. Aller paar Meter treffen wir dort auf Bären, Rehe, Seeadler, Raubkatzen und Krokodile. In einer Jagd-Simulation geht es da deutlich realitätsbezogener und vor allem gemächlicher zu.

Ganz auf uns allein gestellt sind wir übrigens nicht. Unser Hund leistet uns Gesellschaft und läuft an unserer Seite. Ihm dürfen wir durch ein Menü-Rad immer wieder Befehle geben, eine Spur zu verfolgen. Das erleichtert das Aufspüren des Hirschs ungemein und dennoch, Hunting Simulator 2 appelliert sehr an unsere Geduld und verlangt ein überlegtes Vorgehen. Für jeden Befehl, den unser vierbeiniger Freund erfolgreich ausführt, sollten wir ein Lob aussprechen. Das stärkt die Bindung und sorgt dafür, dass der Begleiter mittelfristig zu einem immer zuverlässigeren Jagdhund heranreift. Eine schöne Idee, die mit der Lobfunktion über das Menü-Rad aber etwas fummelig und umständlich umgesetzt wurde. Das ginge auch intuitiver.

Die Jagd war erfolgreich und der Hirsch ist unser Lohn.


Insgesamt sechs Gebiete in drei Regionen, warten darauf, von uns besucht zu werden. Zur Auswahl stehen unter anderem die weiten Wiesen Colorados, die staubigen Wüsten von Texas und die dichten Mischwälder Tschechiens. Die einzelnen Gebiete überraschen in ihrer Abwechslung und bieten sehr weitläufige Natur, in der wir uns auf die Jagd machen dürfen.


Vorbereitung ist die halbe Jagd. Unser idyllisch anmutendes Jagdhaus fungiert im Spiel ans Schaltzentrale für unsere Planung. Hier lassen sich nicht nur unsere gesammelten Jagdtrophäen begutachten. Über unser virtuelles Notebook dürfen wir ganz bequem neue Ausrüstung kaufen. Auch die Kleidung will gut gewählt sein. Hier ist nicht nur die Optik entscheidend, vielmehr bieten die Textilien auch unterschiedlichen Schutz vor Wettereinflüssen und sorgen dafür, dass wir mit der Umgebung verschmelzen und so besser getarnt sind. Wir würden uns nur wünschen, dass das im Spielgeschehen besser nachvollziehbar und spürbar gemacht wird.

Auf unserem uhrig anmutenden Anwesen, entspannen wir uns und bereiten den nächsten Ausflug vor.

Jede Menge Waffen aus den Kategorien Gewehre, Sturmgewehre, Schrotflinten und Bögen existieren auch. Ebenfalls käuflich erwerben, müssen wir im Vorfeld die Munition für die unterschiedlichen Kaliber. Eine kostspielige Sache. Oftmals heißt es dann, dass wir erst einmal müheselig Geld mit erlegter Beute verdienen müssen. Der Haken ist, dass wir uns nicht einfach nach draußen begeben d und alles erlegen dürfen, was uns vor die Flinte kommt. Auch die Jagdlizenzen für die 33 unterschiedlichen Tiere müssen zuerst käuflich erworben werden. Ach, und bevor wir es vergessen, wichtig ist es auch, die Tiere mit dem jeweils passenden Kaliber zu erlegen. Ansonsten gibt es statt Cash direkt Strafgebühren, wodurch die teuer bemessenen Items in weite Ferne rücken.

Grafik / Sound
Malerische Landschaften

Getestet haben wir Nacons Jäger-Simulator auf der PS5. Diese Version besticht durch eine native 4K-Auflösung. Selbst die filigran geformten Äste der Bäume wirken hier noch wunderbar scharf gezeichnet. Kantenflimmern ist quasi non-existent, wodurch die weiten und idyllischen Naturpanoramen in einem sehr ruhigen und natürlichen Bild erstrahlen. Wiedergegeben wird das Geschehen zudem in flüssigen 60 Bildern die Sekunde. Die PS5 präsentiert sich zudem deutlich detaillierter als etwa die Last-Gen-Version, was sich sogar auf das Gameplay auswirkt. Das Grasdickicht ist oft so dicht, dass die Jagd auf kleine Tiere, etwa Hasen, deutlich anspruchsvoller sein kann, da die flinken Nager sich gut zu verstecken wissen und sehr schnell die Flucht ergreifen. Besonders die Ladezeiten gestalten sich auf der PS5 als extrem schnell.

Im dichten Wald Tschechiens konnten wir einen kleinen Fuchs aufspüren, den wir alsbald ins Visier nehmen.

Die musikalische Untermalung gestaltet sich zurückhaltend und eher langweilig und erinnert mitunter an Fahrstuhlmusik. Im Spielgeschehen selbst wartet die Soundkulisse auf überzeugende Weise mit natürlichen Klängen auf, die uns den immersiven Eindruck auf die vielseitigen Klänge der Natur geben.

Fazit
Genre-Fans kommen auf ihre Kosten

Der Hunting-Simulator 2 ist keine Schießbude und auch kein Arcade-Shooter, den man schnell einmal anwirft, wenn man etwas Zeit zum Zocken hat. Dieses Spielerlebnis möchte, dass wir uns Zeit für es nehmen. Unsere Planung, bevor wir in die Natur ziehen, muss wohlüberlegt sein. Das anschließende Fährtenlesen, Verfolgen der Tiere und die Jagd benötigt jede Menge Geduld. Allein schon, weil auf der weitläufigen Karte kaum Tiere spawnen. Oft haben wir dann den Eindruck, wir befinden uns ganz allein und nichts um uns lebt in dieser schön gestalteten Natur. Fernab davon, bietet der Titel praktisch keine Abwechslung. Das Spiel verlässt sich komplett auf die simplen Gameplay-Schritte, bei der wir uns auf die Jagd vorbereiten, ein Tier aufspüren, es schießen und anschließend zu Geld machen, das wir wiederum in mehr Ausrüstung investieren.

Fans meditativer Jäger-Simulationen kommen in diesem Geduldsspiel auf ihre Kosten. Der Hunting-Simulator 2 ist ab sofort für alle gängigen Plattformen erhältlich.

Hunting Simulator 2
2 Bewertungen
Hunting Simulator 2
  • Regionen wie Colorado, die texanische Wüste und europäische Wälder erkunden
  • 33 Tierarten in natürlichen Umgebungen aufspüren
  • Verschiedene Jagdtechniken