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[ PRESS PLAY ] Funktioniert Nachhaltigkeit auch im Gaming?

Die Welt ist im Wandel. Ich spüre es im Wasser. Ich spüre es in der Erde. Ich rieche es in der Luft – Ein berühmtes Zitat von Galadriel aus dem Film „Herr der Ringe“. So scheint es auch in unserer Welt zu sein, denn die Schlagzeilen sprechen schon seit Jahren die gleiche Sprache. Doch können auch wir Gamer etwas dagegen unternehmen? Können wir Gamer dem Ganzen entgegenwirken? Eine oder mehrere Fragen, die sich so mancher gestellt hat oder noch stellen wird, denn Gamer gehen wohl kaum Kompromisse ein, wenn es um das geliebte Hobby geht.

Das Klischee des Gamers ist altbekannt, fest eingebrannt und wird zudem von zahlreichen Entwicklern, Publishern und den vielen Anbietern von Hardware und Zubehör täglich auf das neue ausgebaut und gefestigt. Dazu gehören bunt beleuchtete Rechner, riesige Hochleistungs-Chips, die beste und schnellste Peripherie für Hand, Augen und Ohren – Doch hier beginnt die Reise, um den Wandel aufhalten zu können! Dem Gamer sind gewisse Dinge bewusst oder zum Teil noch nicht ganz klar, denn Spiele zeigen uns immer wieder, dass Lot, Ressourcen, das Beste vom Besten, die schöne Rüstung und das größte Schwert niemals ausreichen, um sich den Endgegner stellen zu wollen – Dabei hat uns die Gaming-Industrie schon fest im Griff und mit der Gier und dem Verlangen versehen, niemals sich mit dem „Einfachsten“ zufriedengeben zu wollen – Das fängt beim Headset an und hört eigentlich nicht mal bei der neusten Grafikkarte auf. Verzicht ist hier wohl eher ein Fremdwort!

Gaming ist gerade in Coronazeiten bei vielen Menschen zum liebsten Hobby geworden oder nimmt seit neusten einen höheren Stellenwert in unserem Leben ein. Gaming funktioniert aber nur, wenn die entsprechende Hardware und das notwendige Equipment auch passen. In den letzten Monaten konnte dabei die Gaming-Industrie und die Hersteller von Hardware gar ganz neue Rekordumsätze erzielen und verkauften neben Spielen auch viele Headsets, Tastaturen, Mäuse, Monitore, Konsolen, Controller, Webcams und was alles noch so erwünscht und benötigt wird. Doch hat je ein Gamer mal darauf geschaut, ob die erworbenen Produkte auch nachhaltig und damit gut für unsere Zukunft sind? Viele der erworbenen Produkte sind einfach nur „billig“ und „zweckdienlich“ gestaltet worden, damit wir nach kürzester Zeit sie in den Müll werfen, um nochmal ein Produkt kaufen zu müssen! Das leidige Thema haben wir schon im Mai in einem „Press-Play-Artikel“ angesprochen.

Was können WIR! Gamer dazu beitragen?

…eigentlich sehr viel, denn bisher macht der Gamer nichts! Er lässt sich zu leicht vom Marketing, von funkelnden Verpackungen und tollen Sprüchen verleiten. Auf Nachhaltigkeit schaut da bisher keiner und wenn ja, ist der Anteil so gering, dass es nicht lohnt ihn zu erwähnen. Viele schauen auch nur auf den Preis und einen Namen und wenn das in ihren Geldbeutel passt, wird wie ein Raubtier die Beute mit in die eigene Höhle genommen. Hier sollte vorab immer das Wort „Nachhaltigkeit“ kurz im Kopf aufleuchten, denn damit können wir einen ersten Schritt, und sei er noch so klein, tätigen.

Nachhaltigkeit steht in puncto Peripherie bei den Gamern noch nicht im Fokus

Wenn wir Gamer also losziehen, weil uns ein Spiel oder Hardware das Leben verschönern soll, sollte schon beim ersten Griff in das Regal oder dem Blick auf den Online-Shop die Verpackung mit in Augenschein genommen werden, denn diese landen schon nach kurzer Zeit im Müll oder im Recycling. Hier werden Rohstoffe und Ressourcen dazu verwendet euch die Kaufentscheidung leichter zu gestalten. Bis auf den Transportschutz hat eine Verpackung keinen weiteren Sinn und belastet in gewisser Hinsicht unseren Planeten. Plastik, Folien oder gar andere aus Rohöl gefertigte Materialien haben in einer Verpackung nichts zu suchen! Das lässt sich mit der heutigen Technologie auch moderat lösen. Ein weiterer Punkt, über den wir uns vor dem Kauf Gedanken machen sollten, ist der Service zum Produkt: Gibt es Ersatz für Teile, die vom Verschleiß her ein Produkt nicht mehr nutzbar machen? Dazu gehören sicherlich nicht nur die Ersatzpolster für unser Headset, sondern auch Kabel, Schrauben und Updates der Software, um ein Produkt auch über die übliche Zeit nutzen zu können. In vielen Fällen trennen wir uns von einem Produkt frühzeitig, weil die Polster durch sind, die Materialien nachgegeben haben oder ein Bruch an Stecker oder Kabel entstanden sind. Ganz zu schweigen von Wireless-Produkten mit festverbauten Akku und der Gier als Gamer, immer das neuste und schnellste Equipment besitzen zu müssen.

Was können DIE! Hersteller dazu beitragen?

Sehr, sehr viel und ein Umdenken in der Produktion muss stattfinden! Verpackungsmüll lässt sich auf vielen Wegen einsparen und kompensieren. Unnötige mit „luftdichter“ PE-Folie verschlossene Produkte sind im Gaming nicht notwendig, da es sich weder noch um Lebensmittel oder medizinische Produkte handelt, die einen hygienischen Standard erforderlich machen. Das zeigt sich viel zu oft bei Retail-Versionen der Spiele-Discs. Für eine Versiegelung des Produkts täte es auch ein simples Sigel über dem Öffnungsmechanismus in Form eines „Aufklebers“, wie es vielleicht einige als Steuerzeichen von einer Zigarettenschachtel kennen. Das lässt sich sogar auf weitere Produktverpackungen ausweiten, wie es Sony im April mit ihrem vollständig recycelbare PS5-Verpackungsdesign verdeutlichte – Das ist uns sicherlich noch nicht weit genug gedacht, aber viele Hersteller dürften sich davon eine fette Scheibe abschneiden! Auch im Inneren der Verpackung brauchen wir keine weitere zusätzliche „Umhüllung“ des Produkts, da es ja schon einmal verpackt ist. Auf die sogenannten Schutzaufkleber, wie wir es bei Headsets und Mäusen vorfinden, kann gerne verzichtet werden, denn alles ist nur Müll und für den Gebrauch nicht zweckdienlich.

Die Hersteller sollten auch die „auf den Müll“ geworfenen Produkte recyceln und die gewonnen Rohstoffe in ihren neuen Produkten wiederverwenden. Ein schönes Beispiel liefert dazu gerade die Deutsche Telekom mit ihrem neuen Speedport Smart 4 ab:

Die Verpackung des Speedport Smart 4 besteht aus Recycling-Karton und FSC Mix-zertifiziertem Papier. Die Telekom nutzt 30 Prozent weniger Karton-Material und verzichtet komplett auf Plastik. Für die Bedruckung kommt umweltfreundliche, pflanzenbasierte Farbe zum Einsatz. Den Verzicht auf Schadstoffe belegen unter anderem die schadstofffreien LAN-Anschlüsse. Das Gehäuse des Routers selbst besteht zu 90 Prozent aus voll recyceltem Kunststoff. 

Diesen Schritt und diesen Vorgang haben wir bisher bei keinem Hersteller von Peripherie im Bereich Gaming vernommen. Es gibt bisher einige Wenige, die sich in diese Richtung orientieren und es dürfen sich gerne weitere Hersteller hier zu Wort melden.

Doch Verpackung ist nicht alles! Langlebigkeit und Service garantieren auch Nachhaltigkeit und das erreicht man nur mit Qualität. Headsets von namhaften großen Herstellern für unter 20 Euro, da kann niemals Nachhaltigkeit auch nur ansatzweise mit eingeflossen sein! Kabel, die fest verschweißt wurden; Ohrpolster, die nicht ausgetauscht werden können; billige und gar steifes Plastik, statt hochwertigen Kunststoffen… und die Liste wird noch länger. Da können sich gerne viele weitere Peripheriegeräte mit einreihen, welche wir ohne Problem am PC, Konsole oder Home-Entertainment anschließen können. Als Hersteller sollte man sich auch Gedanken über die festverbauten Akkus in ihren Wireless-Geräten gemacht werden. Da möge man ja fast den Xbox-Controller loben, der aber leider im Batteriebetrieb wohl nun wirklich nicht sehr nachhaltig für die Welt geschaffen wurde und damit in diesem Punkt dem DualSense in nichts nachsteht. Dabei gibt es selbst Wireless-Headsets, bei denen sich der Akku problemlos austauschen lässt – Hier hatte der Hersteller aber wohl weniger einen nachhaltigen Gedanken und ein 24/7 Betrieb stand eher im Vordergrund.

Elektroschrott landet leider zu gerne auch heute noch in der Dritten Welt, satt die Rohstoffe über Recycling wieder in die Produktion fließen zu lassen.

Das Schlusswort…

… wollen wir ebenso mit einem Zitat von Galadriel tätigen, wie wir begonnen haben: Selbst der Kleinste vermag den Lauf des Schicksals zu verändern – Auch wenn wir Gamer in dieser riesigen Welt sehr viele sind, so sind wir dennoch sehr klein und können nur durch unser Handeln, unsere Entscheidungen mit dem Gedanken an die Nachhaltigkeit einen Schritt tätigen, der in der Summe mit dazu beitragen wird, dass auch noch Generationen nach uns, Gaming zu ihrem Hobby machen können.

Viktor Kaczmarek
Seit Anbeginn der Datasette von Computergames begeistert. Spielt alles was sich bewegt und für Atmosphäre sorgt. Nimmt gerne Peripherie unter die Lupe und auch auseinander, es bleiben immer Schrauben übrig. Germany 48.406558, 9.791973