Heute gaben die Veranstalter der Gamescom, game – Verband der deutschen Games-Branche, und die Betreiber der Koelnmesse, die Stadt Köln und das Land Nordrhein-Westfalen, bekannt, dass eine langfristige Vertragsverlängerung für die Austragung der weltgrößten Videospielemesse Gamescom beschlossen wurde. Laut der offiziellen Pressemitteilung nannte keiner der Beteiligten eine Zahl, bis zu welchem Jahr die Vertragsverlängerung abgeschlossen wurde.
Obwohl die Koelnmesse kontinuierlich ausgebaut wird, steht die Gamescom seit Jahren bei den Besuchern in der Kritik, man sei zu veraltet und zu verengt. Das liegt daran, dass das Messegelände im Herzen der Stadt angesiedelt ist und die Infrastruktur den Zugang zur Messe mit baulich bedingten Barrieren kämpfen muss. Eine Ausdehnung und Erweiterung des Messegeländes sind nicht mehr möglich, da das Messegelände vom Rheinpark, der Stegerwald-Siedlung, dem Rangierbahnhof und dem Messebahnhof Deutz umschlossen wird. Das bisschen Bauland im Süden wurde zuletzt mit dem Contipark zugepflastert, der weitere Gewerbeflächen und Hotels bietet. Ein Ausbau der Hallen, gar eine Sanierung der bestehenden Hallen zeigte sich nur im Bereich der Halle 1 und 2, wo im letzten Jahr die Messe-, Kongress- und Eventlocation Confex eröffnet wurde. Ob diese Räumlichkeit mit rund 5.100 m² für die Gamescom genutzt wird, ist bisher nicht bekannt. Es würde den „Kohl auch nicht fett machen“, da die Confex halb so groß ist wie die Halle 5.2. Die Investitionen, die hier getätigt wurden, können gerne als beachtlich bezeichnet werden, ändert an der Grundsituation der Gamescom wohl nur sehr wenig.
Insgesamt verfügt die Koelnmesse über eine Hallenfläche von 264.315 m², wobei sich einige tausend Quadratmeter Außenfläche dazurechnen lassen. Der Game – Verband der deutschen Games-Branche spricht bei der Gamescom von einer Bruttoausstellungsfläche von 284.000 m², auf eines der größten und modernsten Messegelände Deutschlands. Die Moderne zeigt sich aber nur verhalten und wenn, dann nur im Glas-durchfluteten Nordeingang und einigen wenigen Grünflächen davor. Im Inneren, gerade zwischen Halle 8 und 4 dominiert der Betonbau der mit weißen Fliesen verkleidet wurde und mit seinem Oberlicht eher an eine Ladenpassage aus den 90er Jahren erinnert. In einer Zeit der Gamescom wird hieraus aber eher ein wildes Geschubse und Gedränge, mit seinen engen Wegen, Gassen und Umleitungen über asphaltierte Böden im Außenbereich, wo Imbissbuden unter Brücken und Unterführungen platziert werden. Im Vergleich zur ansehnlichen und grünen Messe in Leipzig oder Hannover, spiegelt die Koelnmesse eher eine Messe wie aus Adenauers Zeiten wider, worauf sich auch der Imagefilm der Koelmesse bezieht. Dunkle Hallen, wo im August sich kein Sonnenstrahl verirrt, während der Asphalt zwischen den Hallen jede Schuhsohle zum Schmelzen bringt und Besucher sich im Effekt einer Rushhour aneinanderreihen.
Das größte Problem der Koelmesse ist aber ihr Standort und die Infrastruktur. Mitten im Stadtzentrum gelegen, bietet die Messe mit dem Kölner Dom eine gute Silhouette im Postkartenformat, um Menschen aus aller Welt anzulocken. Leider spiegelt die Zufahrt zur Messe ein Sinnbild der maroden deutschen Infrastruktur wider, wo Autos im Schritttempo Stoßstange an Stoßstange einen der 10.000 Parkplätze ergattern wollen, die im Umfeld der Messe auf 7.500 erweitert sind. Bei einer Besucheranzahl von über 335.000 über Tage, ist das deutlich zu wenig, da ein Parkplatz auch nicht garantiert ist. Natürlich kann man auch mit dem Zug anreisen, was die Nähe zum Bahnhof Köln Messe/ Deutz attraktiv erscheinen lässt. Von Außen ein historischer Kuppelbau, der nach dem Krieg wieder aufgebaut wurde und Barrierefreiheit eher ein Fremdwort ist. Im Inneren spiegelt sich die Zeit des Wiederaufbaus dar, wo Frauen nach Messeschluss wohl eher nicht alleine reisen sollte und es in jeder Ecke nach Urin und Erbrochenen riecht, dass man selbst nicht einmal durchreisen mag. Letztendlich bricht zur Gamescom das pure Verkehrschaos aus, dass man sich am liebsten ein Hotel in Messenähe buchen will.
Doch dann kommt das große Erwachen der Gier der Stadt Köln: Findet die Gamescom statt, sind nicht nur alle Hotels in Messenähe über Jahre hinweg ausgebucht, sondern die Preise steigen in unverschämte Höhen, selbst wenn man in Bonn oder Leverkusen nach einem Zimmer sucht. Hier wird sprichwörtlich Angebot und Nachfrage angewendet und Preise um das 4- bis 5-fache angehoben, dass man locker für 3 Nächte Gamescom ans Mittelmeer für eine Woche All-inclusive fliegen kann. Die Koelnmesse gibt im Einzugsgebiet Köln 94.000 Hotelbetten an, wo auch noch jedes Rattenloch sich als 5-Sterne-Apartment klassifiziert und die Jugendherberge zum Maritim-Hotel wird. Da wirkt das kostenlose Ticket für den Nahverkehr wie ein 1-Cent-Stück im leeren Geldbeutel.
Warum entschieden sich die Veranstalter für Köln?
Eine Frage, die sich so nicht beantworten lässt und eigentlich auf Unverständnis trifft. Hier will man einfach weitermachen wie bisher, es lief ja gut, oder wie ein langjähriger, erfahrener Vertreter aus der Branche sagte und dort auch hochgeschätzt wird:
Kann man machen. Man sieht ja, was mit Unternehmungen geschieht, die im Stillstand verweilen. Irgendwann wird man sich dann halt wieder fragen, wie das alles passieren konnte.
Die Gamescom kann auf dieser vorhanden Fläche nicht expandieren. Eine Modernisierung der Hallen und Infrastruktur wird wohl Jahrzehnte in Anspruch nehmen, während die steigende Preise, alleine beim Eintritt, zahlreiche Besucher vergraulen wird. Das Erlebnis Gamescom wird zum Horror zwischen dunklen Hallen und kahlem Asphalt, während die Nachhaltigkeit schon bei der Anfahrt verloren geht oder gar einem vor den Bahnhöfen graust. Die Messe Leipzig hat im vergangenen Monat mit der Buchmesse vorgemacht, wie man in einer grünen Oase an die 300.000 Besucher anlockt und das mit knapp 110.000 m² Hallenfläche, oder auch die laufende Messe in Hannover, wo Unternehmen einen Mehrwert aus der Messe ziehen und die Bauma 2025, die in der kommenden Woche stattfindet, wo Fachbesucher ausschlaggebend für den weiteren Weg der Aussteller sind.
Was nimmt man als Besucher oder Aussteller aus Köln mit? Eigentlich nichts, da man große Publisher und Entwickler nur noch selten antrifft, ein sich liebkosen des eigenen Rückstands feiert und seit Jahren den Traum Deutschland zum großen Videospieleentwickler im Sand verfährt. Es ist alles nur noch Politik sich selbst zu loben, wenn Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen und Chef der Staatskanzlei sich lächelnd die Hände schütteln und nicht mal wissen, warum man keine Disc mehr in die Digital-Edition der PS5 schieben kann und hoffen, diese wenigstens per App ausdrucken zu können, damit sie das dann per Fax an die Stellvertreter im Ministerium für Wirtschaft schicken können. Hier feiert man den digitalen Fortschritt, während man Handys und Tablets an Schulen verbieten will oder schon getan hat.
Kontakte zwischen Anbietern und Vertrieblern werden so gut wie gar nicht geknüpft, die alle zusammen wohl eher ein jährliches Klassentreffen abhalten, während kleine Indie-Studios die Politiker umgarnen, damit sie das nächste Handyspiel mit Steuermitteln entwickeln können, was kaum Gehör bei den Gamern erreichen wird.
Man veranstaltet in Köln die weltgrößte Videospielemesse und schafft es als deutsche Branche nicht in dieser überhaupt Schritt halten zu können, während man fest daran glaubt, dass Adenauers-Hallen der Weg in die Zukunft sind, um sich alljährlich mit neuen Rekordzahlen feiern zu können – Bis die Zahlen einbrechen und niemand hat es kommen sehen.