[ TEST ] DAKAR DESERT RALLY – PS-Starke Wüstenrennen

Vier Jahre nach dem durchwachsenen Dakra 18 möchte Saber Interactive das weltberühmte Wüstenrennen mit Dakar Desert Rally auf eine neue Stufe heben. Ob das gelingt, klären wir im Test.

Ersteindruck
Dakar liegt jetzt in Saudi-Arabien

Es gibt Momente bei der Rallye Dakar, in denen einem die Erhabenheit der Umgebung den Atem raubt. Sanddünen, die größer sind als ein Wohnblock, ein liegengelassener Flugzeugrumpf zu unserer Linken und ein fahrender LKW zu unserer Rechten. Es erinnert ein bisschen an eine Szene aus Mad Max: Fury Road, wenn Maschinen mit aggressiver Geschwindigkeit durch eine karge Landschaft rasen, die so spektakulär aussieht. Teile unserer Rivalen liegen auf der Strecke, Motorradfahrer sind auf einer offensichtlichen Selbstmordmission und, Moment, ist das Wasser oder eine Fata Morgana?

Es mischt diese chaotische Umgebung mit fünf Fahrzeugtypen, hart umkämpften Rennen, Navigationsherausforderungen, Teammanagement und freischaltbaren Inhalten. Es gibt auch drei verschiedene Spielmodi, die versuchen, diese Plattform gleichzeitig zugänglich und ernst zu machen.

Gameplay
Eine 20.000 Quadratkilometer große Wüstenwelt

Zweifellos handelt es sich um eines der ehrgeizigsten Rennspiele der letzten Jahre, aber schafft es das Spiel, alle Teile zu einem kohärenten Erlebnis zusammenzufügen? Finden wir es heraus…

Als sich die Spieleentwickler von Bigmoon Entertainment, jetzt Saber Porto, drei Jahre Zeit nahmen, um aus dem problembehafteten Dakar 18 ein neues offizielles Spiel zu entwickeln, das auf der realen Rallye basiert, war es klar, dass das Umgebungsdesign die höchste Priorität hatte. Obwohl die Dakar in der Zwischenzeit von Südamerika nach Saudi-Arabien verlegt wurde, ist sie detaillierter, abwechslungsreicher und überraschender denn je. Die Größe ist mit einer Fläche von über 20.000 km² riesig und beinhaltet ein volldynamisches Wettersystem – auch wenn der Nahe Osten nicht unbedingt für seinen Regen bekannt ist.

Die Events, an denen wir mit einem lizenzierten Auto, Truck, Motorrad, Quad oder SXS im Sportmodus teilnehmen, sind zunächst kurz und knackig, bevor sie sich zu Herausforderungen von über 400 km Länge und mehreren einzelnen Etappen ausweiten. Hier kämpfen wir um jede Position, nicht nur wir, sondern auch unsere KI-gesteuerten Konkurrenten bekommen Zeitstrafen für das Verpassen von Wegpunkten – die in diesem Modus riesige gelbe Balken sind – und für das Anhalten und Reparieren des Fahrzeuges erhalten wir ebenso Zeitstrafen aufgebrummt.

Mit dem Beenden von Rennen, verdienen wir Erfahrungspunkte und steige im Level auf. Mit jedem Level werden weitere Autos zum Kauf und weitere Rennen freigeschaltet. Außerdem sammeln wir Dakar-Punkte (DP), mit denen der Fuhrpark repariert und erweitert werden kann. Als zusätzlichen Bonus schalten wir ein klassisches Auto oder Motorrad aus der Geschichte der Dakar Rally frei, hierfür müssen wir das gleiche Renn-Event mit allen fünf Fahrzeugtypen gewinnen.

Das ist ein motivierendes Fortschrittssystem, welches der Vorgänger Dakar 18 dringend gebraucht hätte, um ein breiteres Publikum zu fesseln.

Um die Sache ein wenig abzumildern: Wenn wir ein durch und durch zugängliches Rennspiel spielen wollen, besteht die Möglichkeit auch ein paar verschiedene Eventtypen oder optionale Herausforderungen einzubauen, um die Dinge ein wenig zu variieren. Während sich die Umgebung ändert, bleibt das abgeleitete Rennformat gleich.

Nach ein paar Rennen werdet ihr wahrscheinlich den Profi-Modus ausprobieren wollen. Hier fliegt man nicht mit einem Rudel wildgewordener Rivalen von der Startlinie, man startet ganz allein. Das Hauptziel besteht darin, durch eine Route zu navigieren, dem Navigator genau zuzuhören, dem CAP-Ziel zu folgen, das wie ein Kompass funktioniert, und allein auf Zeit zu fahren.

Auf diese Weise wird die eigentliche Dakar-Veranstaltung in den Dezember-Etappen abgehalten. Es ist ein eher traditioneller Ansatz, und es dauert eine Weile, sich an das etwas langsamere Tempo und den Fokus dieses Spieltyps zu gewöhnen.

Anfangs fühlen wir uns vielleicht verwirrt und wissen nicht, wohin wir als Nächstes fahren sollen. Die Etappen können sich unendlich lang anfühlen, wenn man auf die verbleibenden Markierungspunkte auf dem HUD schaut und sieht, was noch vor uns liegt. Geduld ist gefragt, denn genau darin liegt der größte Reiz. Es ist eine Genugtuung, wenn man sich ein wenig verirrt, seine Schritte zurückverfolgt – zum Glück gibt das Navi jetzt GAP-Hinweise, wenn man von der Piste abkommt – und dann den Weg wiederfindet.

Ein Nachlassen der Konzentration wird bestraft. Das Navi (das aus offensichtlichen Gründen bei der Benutzung von Motorrädern oder Quads nicht abrufbar ist) leitet uns das ein oder andere Mal zu spät an, was in eine verpasste Abzweigung resultieren kann.

Und schließlich gibt es noch den Simulationsmodus. Hier werden die automatischen Speicherfunktionen an den Wegpunkten entfernt, eine Geschwindigkeitsbegrenzung hinzugefügt und die Etappenlänge drastisch erhöht. Es gibt keine Autos, die stecken bleiben, wie im vorherigen Spiel. Dieser Modus ist für die Hardcore-Dakar-Kenner gedacht. Allerdings wird er erst mit EP-Stufe 25 freigeschaltet, und nach unserer Erfahrung braucht man mindestens 10 Stunden, um die zugänglicheren Modi zu spielen. Wir persönlich haben dieses Erfolgserlebnis genossen.

Unabhängig vom Spielmodus verdient die Fahrzeugvariation eine besondere Erwähnung. Die Abwechslung und die unterschiedliche Dynamik der Rennen, die sich daraus ergibt, sind motivierend und gut umgesetzt, auch wenn die Marke „Mini“ leider fehlt. Jedes dieser Fahrzeuge ist seinem echten Gegenstück nachempfunden, mit detaillierten Innenräumen, Auspuffanlagen und Lackierungen. In die Modellierung der Fahrer hätte allerdings mehr Zeit fließen müssen. Bei den Siegerehrungen wirken die Auftritte der Fahrer hölzern, langweilig und unfreiwillig komisch, da alle Teilnehmer das gleiche Gesicht zu scheinen haben.

Eine solche Vielfalt an Fahrzeugen birgt jedoch auch potenzielle Probleme bei der Handhabung. Die Physik-Engine muss mehrere einzigartige Fahrzeugtypen simulieren und fühlt sich daher durchweg ein wenig schwerfällig und schwammig an. Am schlechtesten schneiden die Motorräder ab, denen es an Präzision mangelt. Aber wenn man in ein SXS einsteigt, fühlt es sich geschmeidig und wendig an, egal ob mit Gamepad oder Lenkrad, während die Trucks zu Recht schwerfällig sind und man eine volle Umdrehung der Felge braucht, um engere Kurven zu fahren.

Die Autos fühlen sich dann irgendwo dazwischen an. Bei kleinen Korrekturen das Feedback zufriedenstellend, aber bei unseren Tests mit Logitech-Geräten erfordern sie vielleicht zu viele Eingaben, um die gewünschte Reaktion zu erzielen.

Grafik und Sound
Röhrende Motoren-Sounds und fetzige Rockmusik

Röhrende Motoren-Sounds und fetzige Rockmusik gehören zur beherrschenden Geräuschkulisse innerhalb der Rennen. Getestet haben wir Dakar Desert Rally auf der PS5, deren Version zwei Grafikmodi anbietet. Den Performance-Modus favorisieren wir persönlich, indem die Bildrate ein stabiles und flüssiges Erlebnis garantiert – zu Kosten einiger Details in den Umgebungen und einer niedrigeren Auflösung. Der Grafik-Modus macht bei der Optik keine Kompromisse, wirkt allerdings auch sehr ruckelig und stört merklich den Spielfluss.

Umfang
Super Fahrzeug-Vielfalt, anderswo klaffen noch Lücken

Online-PvP-Rennen sind vorhanden, einschließlich der Möglichkeit, einen KI-gesteuerten Bot mitten im Event zu übernehmen und sogar einen Zuschauer-Hubschrauber zu fliegen, aber die Möglichkeit, eigene Roadbooks – sprich Routen – auf der riesigen Karte zu erstellen und zu teilen, fehlt ebenfalls, was derzeit für Ende des Jahres als Update-Erweiterung geplant ist. Ebenso wie die Möglichkeit, sich in der bereits erwähnten 20.000 km² großen Umgebung frei zu bewegen. Die Möglichkeit, ein eigenes Team und ein eigenes Farbschema zu erstellen, ist für 2023 geplant.

Das Fehlen von Wiederholungen und Fotomodi bis zum nächsten Jahr wäre normalerweise nicht erwähnenswert, aber da die Fahrzeuge und die Umgebung so üppig sind, verdienen sie es, im besten Licht gesehen zu werden. Wir bewundern die unglaublichen Ziele, die sich das Team gesetzt hat. Angesichts der langen Entwicklungszeit können wir nur annehmen, dass es besser war, einige Elemente zu streichen, als etwas mit potenziellen Fehlern zu veröffentlichen.

Fazit
Das vielleicht beste Dakar-Rennspiel aller Zeiten mit Potenzial nach oben

Dakar Desert Rally ist ein Rennspiel mit vielen Höhen und einigen Tiefen. Ein besonderer Reiz geht vom Spiel aus, weil es das einzige seiner Art ist, das die weltberühmten Dakar-Rennen auf den Bildschirm bringt und mit seiner riesigen Spielwelt die große Herausforderung dieses Sports gut einfängt. Überhaupt sind die Spielwelt und die detaillierten Autos das Aushängeschild dieses Rennerlebnisses. Die Fahrzeuge fühlen sich abwechslungsreich an und verfügen über eine glaubwürdige Physik, allerdings braucht das Fahrgefühl noch Feinschliff und auch die Steuerung könnte das ein oder andere Mal genauer reagieren. Beim Online-Modus vermissen wir viele Inhalte, die laut Entwickler allerdings in den kommenden Monaten noch per Updates nachgeliefert werden sollen.

Dakar Desert Rally fängt das anspruchsvolle Wüstenrennen auf spektakuläre Weise ein. Samt dynamischem Wetter und abwechslungsreichen Strecken. Die verschiedenen Modi bieten Einsteigern wie auch Simulationsfreunden gut aufeinander zugeschnittene Herausforderungen, auch wenn das Fahrgefühl anfänglich etwas Fingerspitzengefühl verlangt und man anfänglich viele Fehler begeht. Wenn man Dakar Desert Rally einmal für sich entdeckt hat, lässt es einem für lange Zeit nicht mehr los.

Dakar Desert Rally (PlayStation 5)
14 Bewertungen
Dakar Desert Rally (PlayStation 5)
  • Mehr als 30 spannende Etappen, die auf den offiziellen Strecken der Dakar Rallys 2021 und 2022 basieren
  • Eine große Auswahl von lizenzierten Motorrädern, Autos, Trucks, Quads und SSVs weltweit führender Hersteller
  • Offiziell lizenzierte Dakar-Teams, Piloten und Fahrzeuge im Einzel- oder Mehrspieler-Modus