Mit 370 Sachen nach Köln – Train Sim World 2 im Test

Am 20. August brachte das britische Entwicklerstudio Dovetail Games den Nachfolger zu Train Sim World mit Train Sim Wolrd 2. Wir haben uns hinter den Führerstand von PC und PlayStation 4 geklemmt und sind über die Schienen gedonnert.

Train Sim World 2 ordnen wir in das Genre der Simulatoren ein, die mit Farming Simulator, Flug Simulator oder gar Spielen wie Fishing Barrents Sea uns in eine Welt tauchen lassen, um das Leben in anderen Berufszweigen erleben zu können. Bei Train Sim World schlüpfen wir in die Rolle eines Lokführers, der so manchen eisernen Koloss über Schienen bewegen kann. In der Fortsetzung zu Train Sim World gibt es auch wieder eine deutsche Strecke, die mit dem ICE 3 von Köln nach Aachen und zurück auch den deutschen Gamer ansprechen soll. Da wir im letzten Test zu Train Sim World einige Defizite zur Konsolen-Version feststellen konnten, haben wir uns diesmal das Spiel auf der PlayStation 4 und dem PC angeschaut.

Ersteindruck

einfach aber mit Verbesserungen  

Der Download beträgt auf beiden Plattformen rund 10 GB und daher dürfte es auch keine inhaltlichen Unterschiede geben. Einzig und alleine die Entscheidung sich zwischen der Standard-Edition und der Preserved Collection muss gefällt werden, denn die Preserved Collection stellt sicher, dass ihr eure DLCs aus Train Sim World mitnehmen könnt. Wir haben hier die günstige Standard-Edition im Test für 29,99€, während die Preserved Collection im PlayStation Store als Deluxe-Edition für 44,99€ erhältlich ist. Im Grunde stimmt dann die Angabe nicht, hier einfach die Inhalte aus dem ersten Teil mitnehmen zu können, denn wir bezahlen diese „Mitnahme“ mit einem höheren Preis. Zudem können auch nicht alle Inhalte mitgenommen werden, denn nur einige Strecken sind auch in Train Sim World 2 verfügbar. Dafür wartet Train Sim World 2 mit einigen Neuerungen auf, die uns einen Lackierungs-Editor und  Szenarioplaner mitbringen. Insgesamt bringt Train Sim World drei neue Strecken und Züge mit, die sich Sand Patch Grade, ICE Köln – Aachen und Londoner U-Bahn aufteilen. Kurioserweise konnten wir uns noch den Peninsula Corridor: San Francisco – San Jose DLC kostenlos herunterladen, aber keine weiteren als Preserved Collection gekennzeichneten Inhalte. Ob wir diesen Inhalt vorher schon hatten oder nicht, wissen wir nicht. Das System ist aber schon sehr verwirrend. Vielleicht haben wir dann doch die Preserved Collection zum Testen erhalten. Eine direkte Kennzeichnung gibt es im Spiel nicht, auch fehlen entsprechende Hinweise darauf.

Doch genug geredet: Anfänglich können wir uns wieder einen Charakter erstellen und gleich eine passende Uniform auswählen, die unser Lokführer trägt. Dieses Detail ist aber weniger relevant, da wir hier uns in der Ego-Perspektive bewegen und nie zu Gesicht bekommen. So wird uns wieder alles erklärt, wie wir uns bewegen und schauen, was wir noch so für kleinere Aufgaben erfüllen können und wie wir unsere Lok in Bewegung setzen. Dabei sind uns gleich zu Beginn wieder kleiner Fehler aufgefallen, denn die Türen wollen sich partout nicht vom Führerstand aus öffnen lassen.


Gameplay

deutliche Verbesserungen spürbar

Wir schwingen uns natürlich auf den Kölner Hauptbahnhof, da hier der ICE 3 mit Neigetechnik unser Herz begehrt – Mit über 250 km/h von Köln nach Aachen ohne Zwischenhalt. Das Gameplay am PC ist durch Maus und Tastatur sicherlich ein selbsterklärendes Kinderspiel, während an der PlayStation 4 uns nur der Dualshock Controller zur Verfügung steht.

Die Handhabung mit dem PS4-Controller funktioniert sehr gut und die Bugs, einst von Train Sim World 2020, wurde ausgemerzt. Mit den Schultertasten können wir problemlos Gas geben oder reduzieren oder auch die Bremsen benutzen. Aber auch das Laufen durch den Zug sowie das Erkunden der Bahnhöfe und Bahnsteige geht sehr gut von der Hand, auch wenn es hin und wieder etwas hakelig erscheint. Einmal im Führerstand Platz genommen, lassen wir die Fahrgäste einsteigen und fahren dann von Köln nach Aachen und wieder zurück. Hier werden wir dann durch die Vorstadt von Köln geführt, die auch mit deutlichen Wahrzeichen gezeichnet ist. Auch der Kölner Bahnhof ist deutlich zu erkennen, schließlich kennt den jeder gamescom-Besucher. Gas geben wie auf einer Rennstrecke ist aber nicht angesagt, da wir uns an die Geschwindigkeit und die Signale halten müssen. Einmal ein rotes Signal überfahren und wir können die Mission von Vorne beginnen. Doch mit der Zeit haben wir den Dreh raus und können sogar auf der Schnellfahrstrecke den ICE 3 an seine Grenzen bringen und erreichen die maximale Spitzengeschwindigkeit von über 350 km/h.

370 km/h sind dann das Maximum und machbar

Grafik, Sound & Technik

schön aber nicht perfekt

Technisch gesehen ist dem kleinen britischen Entwicklerstudio Dovetail Games hier schon ein sehr schönes Spiel gelungen, das gerade mit viel Liebe zum Detail uns die einzelnen Züge näherbringt. Der ICE und auch die anderen Züge sehen sehr authentisch aus und lassen und ein Teil der riesigen Maschinerie der Eisenbahn werden. Die Sounds sind zwar etwas schwach auf der Brust, tragen aber dennoch intensiv ihren Teil zu dieser Simulation bei. Grafisch gibt es so weit auch nicht viel zu meckern, denn gegenüber seinem Vorgänger sind hier viele Details verbessert worden. Auf dem PC erhalten wir eine konstante Framerate die nur kurz und hin und wieder mal einen kleinen Ruckler zeigt und die Grafik sich schön aber noch aufbauen zeigt. Manchmal wäre hier doch mehr drin gewesen, denn die technischen Anforderungen an unseren PC sind nicht gerade sehr anspruchsvoll. Auf der PlayStation 4 bleibt alles doch ein wenig verwaschen und gerade bei hohen Geschwindigkeiten gehen einige Details in den „besoffenen Zustand“ und wirken zu einfach. Traurig wird es leider in der U-Bahn von London, da wir ganz ohne Licht immer in ein schwarzes Loch fahren. Hier vermissen wir den Lichtkegel unserer Scheinwerfer.

Alles in allem haben wir uns aber schnell an diese kleinen Makel gewöhnt und reisen sehr ruhig und gediegen durch die Landschaft, die nicht langweilig ist, da auch neben der Strecke viel los ist. Wer ganz ohne hochauflösende Ansprüche an das Spiel geht, der wird auch zufrieden sein.


Umfang & Langzeitmotivation

in der Zeit liegt die Ruhe

Mit Train Sim World 2 werden uns 3 Areale oder auch Streckengebiete geboten, die auch mit unterschiedlichen Loks und Triebwagen befahren werden können. Ob nun zwischen Köln und Aachen mit dem ICE oder einem Regionalzug oder durch den Londoner Untergrund, oder Tonnen durch die Berge mit Gütern. Jedem das Seine, aber ICE fahren macht doch hier am meisten Laune. So eine einfache Fahrt nach Köln dauert an die 30 Minuten und kann im Fahrplan rauf und runter, von morgens bis abends gefahren werden. Wer mag, kann dann noch die kleinen Aufgaben erfüllen und Fahrpläne aufhängen, erste Hilfe Kästen auffrischen und noch andere kleine Dinge auf den Bahnhöfen tätigen. Mit einigen Szenarien und dem zugehörigen Editor ist dann noch reichlich mehr drin. Im Grunde aber ausgeruht auf dem Platz des Lokführers zu sitzen, ist dann wohl das Erfüllteste für einen. Falls es dann doch noch langweilig wird, kann im Lackierungseditor die Lok angemalt werden. Das ist ganz nett, spielt hier aber eine untergeordnete Rolle.

ICE fahren macht dann doch mehr Spaß

Im Store gibt es noch weitere DLCs, die aber alle ein wenig so teuer sind, wie das Spiel selber. Ob einem auch die halbe Stunde reicht oder ab wir endlich mal mehr Langstrecke kommen wird, lässt sich hier und heute noch nicht sagen.

Zurück in Köln, auch wenn keine gamescom stattfindet.

Fazit

die schönste Zugsimulation 

Mit Train Sim World 2 wird Dovetail Games die Herzen der virtuellen Eisenbahner ein weiteres Mal zufrieden stellen, denn so schön und einfach war Zugfahren noch nie. Die Landschaften sind eine Augenweide und lassen mit dem Wechsel des Tages und zusätzlichen Wetterverhältnissen auch Abwechslung aufkommen. Auch wenn hier nur wenige Strecken geboten werden und der Rest für teures Geld im Shop zu haben ist, wird einem die virtuelle Welt der Bahn auf wunderschöne Weise nähergebracht. Es könnte etwas mehr sein, aber nur könnte. Wer schon immer mal ICE fahren wollte, kann das hier ganz ohne Verspätung und Bahncard auf einfachste Weise tätigen. Sicherlich gibt es noch einige Makel, aber die Deutsche Bahn hat auch welche. Es ist auch egal ob nun PC oder PS4 – beides spielt sich gut und gleich. 

*Train Sim World 2 ist aktuell nur in den digitalen Stores erhältlich und nicht im Handel auf Disk. 

 

Viktor Kaczmarek
Seit Anbeginn der Datasette von Computergames begeistert. Spielt alles was sich bewegt und für Atmosphäre sorgt. Nimmt gerne Peripherie unter die Lupe und auch auseinander, es bleiben immer Schrauben übrig. Germany 48.406558, 9.791973