Bild: Misc Games

[ TEST ] Mach Dein Fang! – Fishing: North Atlantic

Am 30. Juli veröffentlichte der norwegische Entwickler Misc Games Fishing: North Atlantic für die Xbox One und PlayStation 4, nachdem das Spiel im vergangenen Herbst schon auf Steam erschienen ist. Wir haben uns hinter das Steuerruder geklemmt und es für euch auf der PlayStation 5 getestet – Eine PlayStation 4 haben wir leider nicht mehr. Das Spiel ist nur rein digital erhältlich und eine Retail-Version leider nicht verfügbar.

Nachdem Misc Games uns Weihnachten 2019 schon mit Fishing: Barents Sea eingeladen hat die Gewässer nordöstlich von Norwegen abzufischen, geht es diesmal in die kanadische Gegend rund um Nova Scotia, die auch als Neuschottland bekannt ist. Unser Fischfanggebiet umfasst den kompletten südwestlichen Teil der Halbinsel und wurde einmal mehr sehr getreu nachgebildet. Das lässt sich sehr einfach mit Google Maps nachprüfen. Es kann locker vom Hafen Digby bis nach Chester geschippert werden plus eine Überfahrt zur Insel Grand Manan, was eine Reise von mehren hundert Kilometern bedeutet – Bei einer Reisegeschwindigkeit von 15 Knoten sollte genügend Proviant mitgenommen werden, nicht dass ihr beim Zocken noch verhungert.

Ersteindruck

Nicht ins kalte Wasser geworfen

Der Download und auch die Installation sind schnell vollbracht, da das Spiel sich im kleinen Rahmen hält. Bevor wir aber nun in See stechen, gibt es eine kleine Information, die auch als Story zum Spiel gesehen werden kann. Wir haben einfach ein Boot geerbt und können damit Fische fangen. Gegenüber dem Vorgänger Fishing: Barents Sea haben wir diesmal aber ein besseres Erbe erhalten, denn unser neuer Kahn kann sich allemal sehen lassen. Er ist im tadellosen Zustand und für den Fang von Schwert- und Thunfischen ausgelegt. Kein Vergleich zu unserem Kahn in der Barents Sea, der den Anschein erweckte, bei der nächsten Welle abzusaufen.

Unser Erbstück

Unser schicker Kahn verfügt natürlich auch über alle notwendigen Mittel, damit wir diese kostbaren Fische harpunieren können. Der hohe Ausguck ermöglicht uns einen Rundumblick, während am Bug ein langer „Catwalk“ unsere Position zum Harpunieren ermöglicht. Schwertfische zu fangen, ist kein leichtes Unterfangen, denn hier stehen wir wie einst ein Grieche bei der Olympiade, um den Sperr in sein Ziel zu werfen. Das könnte anfänglich für etwas Frust sorgen, denn einmal mehr zählt: Übung macht den Meister. Geduld ist eine Tugend und Zeit sollte auch jeder mitbringen, denn Schwertfische beißen nicht in den Angelhaken und sind ständig in Bewegung. Da ein Anlocken und Ködern auch nicht möglich ist, sollte man immer wieder ein Blick auf das Sonar werfen oder das Fernglas zur Hand nehmen. In der warmen Mittagsonne zeigt sich dann unser Fang und mit einem guten Wurf und sachten Zielen ist unser Boot auch schnell vollgeladen.

Mit der Harpune in der Hand jagen wir unsere ersten Schwertfische.

Natürlich klingt das alles etwas nach viel Geschicklichkeit, denn von alleine springen uns die Fische nicht ins Boot. Damit wir aber nicht über Board in das kalte Wasser geworfen werden, gibt es natürlich auch ein Tutorial. Jenes erklärt uns Schritt für Schritt, wie wir unsere ersten Schwertfische fangen. Hier geht schnell mal Stunde um Stunde vorbei, aber unser Fang lohnt sich richtig.

Gameplay

In der Ruhe liegt die Kraft

Nachdem wir das Tutorial abgeschlossen haben und unsere ersten 12 gefangenen Schwertfische im Hafen abgeliefert haben, können wir auch schon die ersten Upgrades an unserem Boot ausführen. Dazu gehören sicherlich mehr PS für den Motor, ein besseres Sonar oder gar ein Autopilot. Letztes ist sehr praktisch, um Aufträge und Lieferung zu unentdeckten Orten durchführen zu können. Doch auf Dauer die Schwertfische mit der Harpune zu erledigen, füllt unser Konto nur sehr langsam. So ist Aufrüsten angesagt und neben dem Kauf der Tiefseeleinen, benötigen wir noch unser erstes Mannschafts-Mitglied, der uns beim „ins Boot ziehen“ der riesigen Thunfische behilflich ist. Da sind wir sehr froh im Tutorial nicht nur einen Fisch getroffen zu haben, sondern fett absahnen konnten. Alle anderen müssen dann zur Bank und sich einen Kredit aufnehmen.

Erkauft von unseren ersten Fängen – Rooobbberttt! wäre neidisch.

Das Gameplay an sich ist sehr einfach gestrickt, auch wenn viele Aktionen ein dauerhaftes Drücken der Buttons erfordert, bis ein sichtbarer Balken sich füllt. Hier wären sicherlich kurze Interaktionen die bessere Wahl gewesen. Darüber kann aber hinweggesehen werden und es als spielerisches Gameplay gesehen werden. Was uns aber als altgedienter Zocker irritiert ist, dass wir unsere Steuerung nicht invertieren können – Das bringt uns geistig völlig aus dem Konzept, da wir jedes Spiel wie eine Pilotensteuerung handhaben. Wir wünschen wir uns noch einen Patch!

Das Gameplay an sich beruht auf dem Prinzip: Auf die See fahren, fischen gehen und unseren Fang zum besten Preis in eines der Häfen zu verkaufen, damit wir uns demnächst ein noch größeres Boot kaufen können. Zu jeder neuen Fangart gibt es immer wieder ein entsprechendes Tutorial, damit wir mit unserer Mannschaft den Bauch unseres Schiffes füllen können.

Grafik, Sound & Technik

Sehr schick aber es fehlen Updates

Bei Fishing: North Atlantic hat Misc Games alle Schiffe, Kutter, Boote oder Kähne sehr authentisch umgesetzt, denn sie sind einfach nur schick anzusehen. Hervorzuheben gilt es natürlich auch das Meer. Gerade die Wellenbewegung lässt uns den Wind erkennen und wenn wir in die Abendsonne fahren und das Polarlicht sich am Himmel erstreckt, kommt ein wenig „National Geographic Gefühl“ auf. Dennoch muss auch erwähnt werden, dass das Drumherum etwas zu schlicht ist und ein wenig die Liebe zum Detail vermisst wird. Da wir uns aber mehr auf dem Meer befinden, fällt das Dorf am Ufer wohl weniger ins Gewicht. Wir empfehlen unbedingt das HDR im Spiel einzuschalten.

Ein Moment, der zum Verweilen einlädt.

Zum Sound kann eigentlich wenig gesagt werden, da wir uns ja nicht in einem actiongeladenen Shooter befinden. Das Bild passt aber und selbst die Hintergrundmusik lädt zu einer ruhigen Runde ein. Das Zusammenspiel zwischen Grafik und Sound erzielt ein schönes Ambiente und zieht uns mitten in das Spiel – Wäre da nicht die unliebsamen Fehler, denn das Spiel benötigt noch einige Updates. Es ist schon sehr störend, wenn wir im Hafen immer aus dem Spiel geworfen werden und die Anwendung neu starten müssen. Möge uns Poseidon gnädig sein, denn das passiert tatsächlich immer nur, wenn wir im Hafen interagieren. Auch gibt es manchmal einige unschöne grafischen Bugs, die uns gar kopflos über das Deck rennen lassen. Spielerisch haben die Bugs aber keinen Einfluss auf unser Gameplay und wir sind optimistisch gestimmt, dass kommende Update diese Fehler beheben.

Umfang & Langzeitmotivation

Viel Fisch auf einer riesigen Karte

Die Karte von Nova Scotia umfasst 200 km x 300 km und bietet uns somit satte 60.000 km². Damit gehört Fishing: North Atlantic mit zu den größten Spielen in der heutigen virtuellen Welt. Im Vergleich ist die Karte von GTA5 nur 220 km² groß und Fishing: North Atlantic bietet Belgien gleich zweimal so viel Platz – Letztendlich fahren wir aber nur über die See und da wäre ein Teich wohl schnell leer gefischt.

Ein kleiner Ausschnitt aus der riesigen Karte

Auch wenn wir am Anfang mit einem „Sportboot“ Schwertfische harpuniert haben, ist mit dem Verkauf eine Menge Geld auf unser Konto geflossen. Mit jedem weiteren Fang gibt es mehr Geld und viele neue Boote gibt es zu bestaunen und in Besitz zu nehmen. Klar, umsonst ist hier auch kein Dampfer und muss schwer bezahlt werden. Jene Boote müssen aber erst entdeckt werden und wurden gut versteckt in den einzelnen Buchten und Fjorden geparkt. Zudem gibt es viele „Sehenswürdigkeiten“, welche aufgedeckt werden müssen und uns später als Schnellreisepunkt dienen. Hier empfehlen wir eine ausgediente Dampferfahrt an der Küste entlang, die sehr entspannt mit dem Autopiloten auch als verlorener Urlaub im vergangenen Jahr gesehen werden kann – Für die Verpflegung müsst ihr aber selber sorgen.

Alles schaffen wir nicht alleine – Wir brauchen eine Mannschaft, die uns auch bekochen kann.

Auch wenn es viele Schiffe gibt, die mit ihren unterschiedlichen Fangarten für weitere Unterhaltung sorgen, liegt die Langzeitmotivation natürlich bei jedem selber. Es lässt sich gut mit dem Landwirtschafts-Simulator vergleichen, wenn wir Stunde um Stunde über den Acker schleichen, um unsere Ernte einfahren zu können. In Fishing: North Atlantic liegt aber der zusätzliche Reiz, dem Wetter und Wellen zu trotzen und immer Herr der Lage über sein Boot zu sein – Falls ihr dann doch mal absauft, die Seenotrettung ist immer zu Stelle. Mit viel Zeit und jeder Menge Fisch ist die Platin-Trophäe dann auch kein Problem.

Fazit

Eine ruhige See wäre schön

Mit Fishing: North Atlantic setzt Misc Games die Reise auf hoher See fort, um seinen großen Fang machen zu können. Hier werden wir wunderbar auf das offene Meer getrieben damit wir von noch größeren Schiffen träumen können. Neueinsteigern wird mit dem Tutorial das Leben erleichtert, während erfahrene Seeleute aus der Barents Sea hier gleich mit vollen Lagern heimkehren können. Sicherlich geht es ab und zu noch etwas stürmisch zu, denn auf den einen oder anderen Patch müssen auch wir noch warten. Dennoch zeigt Misc Games ihre wahre Liebe und bringt uns ein Spiel auf die Konsolen, wie wir es selten erleben können. Trotz diverser Bugs, die uns die stürmische Gischt ins Gesicht blasen, haben wir uns für eine Empfehlung ausgesprochenFür 30 Euro bekommen wir viel Spiel geboten.

Viktor Kaczmarek
Seit Anbeginn der Datasette von Computergames begeistert. Spielt alles was sich bewegt und für Atmosphäre sorgt. Nimmt gerne Peripherie unter die Lupe und auch auseinander, es bleiben immer Schrauben übrig. Germany 48.406558, 9.791973