Spiele Test

[ TEST ] WRECKFEST – fahren bis der Schrottplatz ruft

Das Angebot an Rennspielen auf der Konsole geht vermehrt in die Richtung hochklassigen Rennsports und zu gerne ersehnen wir uns ein Destruction Derby zurück. So stellte uns Bugbear Entertainment und THQ Nordic auf der gamescom 2018 ein Spiel vor, das unsere Sehnsucht befriedigen sollte. Von uns mit dem „Experience Award“ ausgezeichnet, erfolgte leider eine Verschiebung des Spiels Wreckfest auf den 27. August 2019. Nun ist es bald soweit und wir konnten uns in die Schlachten auf der Rennstrecke werfen.

Während PC Gamer schon länger über Steam, Rennstrecken zu Schrottplätzen verwandeln konnten, mussten die Gamer an der PlayStation 4 und Xbox One geduldig warten. Mit dem Release in der kommenden Woche, hat das Warten nun ein Ende gefunden. Wreckfest ist da und soll uns ein starkes Rennspiel bieten in dem das Drängeln und Rausschubsen an der Tagesordnung steht. Da darf gerne auch mal der Führende in die Leitplanke gerammt werden, ohne das es einem übel genommen wird.

Wreckfest wurde von uns auf der PlayStation 4 Pro samt SSD und Samsung 4K/ HDR Fernseher getestet. Aktuell lag uns dazu die Version 1.01 vor, die mit dem Spiel rund 14,74 GB auf der Festplatte einnimmt. Für den Sound griffen wir zum Sennheiser GSP 670 oder wahlweise zum Yamaha Heimkino.

Ersteindruck

Zerstörung ist das Ziel 

Durch seine geringe Downloadgröße von nur rund 11 GB ist das Spiel auch sehr schnell bei uns installiert. Ohne große Umschweife landen wir im Hauptmenü. Ein schönes aktionlastiges Intro wäre schön gewesen um uns das Spiel näher zu bringen. Das Menü ist gut strukturiert und präsentiert sich in einem bekannten Bild von Windows-Kacheln. So erhalten wir schon mal einen ersten Eindruck, was uns alles geboten wird. Neben der Karriere gibt es benutzerdefinierte Rennen und einen Mehrspieler-Modus. Mit einem Schwenk weiter können wir unsere Werkstatt betreten, wo wir die Wagen tunen und aufmotzen können. Zu guter Letzt offenbaren die Optionen zahlreiche Möglichkeiten zur Einstellungen des Controllers oder Lenkrad ound das bekannte Sound-Menü. Alles ist etwas spartanisch aber übersichtlich gehalten.

So überlegten wir vorab, ob wir mal schnell auf die Piste donnern. Leider vermissen wir den Punkt für ein schnelles Rennen und daher starten wir den Karriere-Modus. Unser erster Wagen ist ein 67er Ford Mustang oder das was davon übrig blieb. Wreckfest ist in erster Linie ein „Crash-Racer“ und da gibt es weder Lichter noch Scheiben an den Autos. Im ersten Rennen sitzen wir aber nicht in solch einem Demolition Derby Car, sondern finden uns auf einem Rasenmäher wieder – ja auf einem Rasenmäher! Genau hier fängt unser Herz das frohlocken an. Wo konnten wir bisher Rennen mit einem Rasenmäher fahren? Genau wie Tim Taylor (US-Serie: Hör mal wer das hämmert) schwingen wir uns auf einen der getunten Mini-Traktoren um den Rasen mit aller Gewalt niedermähen zu können. Ganz ohne Mähwerk walzen wir dabei die zahlreich erschienenen Gegner mit kräftigen Gedrängel und Geramme von ihren Stühlen. Wer zuletzt noch fährt, hat gewonnen.


Gameplay

voll Stoff drauf zuhalten! 

Das Gameplay ist sehr einfach gestrickt und jeder der schon mal ein Rennspiel an der Konsole gezockt hat, wird auch hier über die Piste donnern können. Ein Verbremser ist halb so wild und wenn wir dabei noch unseren Vordermann treffen, gibt es extra Punkte. Genau das ist Wrekfest! Faire Fahrweise, saubere Runden oder gar der Schnellste zu sein, bringt uns absolut nichts. Hier muss der Gegner gezielt außer Gefecht gesetzt werden. Etwas rempeln, die Absperrung durchbrechen oder dem Vordermann mit vollem Stoff ins Heck fahren. Dabei gibt es Rundkurse oder gar ganze Stadien, in denen wir das Gaspedal voll durchdrücken können. Wer hier bremst, der hat seinen Hintermann im Kofferraum – oder das was er mal gewesen ist.

In unterschiedlichen „Stock-Cars“ donnern wir wie wild geworden dem Sieg entgegen und können uns nach einigen kleinen Meisterschaften schon zum Jugendmeister krönen. Doch ganz aus dem Kopf will uns das letzte Rennen nicht gehen. War da nicht ein postgelber Mähdrescher mit dabei ? Das wollen wir auch probieren und rasen weiter von einem Pokal zum anderen. Nicht immer gelingt uns das auf Anhieb, denn unsere Mitstreiter wissen auch, wie der Hase läuft. Sie können eine Rennpiste in ein wahres Schlachtfeld verwandeln, Autos regelrecht schrottreif über die Piste schleudern oder gar mit dem was noch vom Rest übrig blieb, die Ziellinie überqueren – egal ob auf vier oder nur noch drei Rädern – manchmal waren es auch nur noch 2 Räder übrig. Unser Auto zeigt dabei die vielen Kampfspuren, dass selbst ein Wortgefecht von Nico Hülkenberg mit Kevin Magnussen eher als Lappalie einfach links liegen bleibt.

Die Krönung unserer ersten Teilnahme bei den „Regional Juniors“ kam natürlich zum Schluss. Wir, an der Konsole und zu Couchgamer verflucht, durften auf einem Sofa-Car ein Rennen bestreiten. Ja! richtig gehört: auf einem Sofa! Ist das nicht der Traum eines jeden verrückten Rennfahrers?

Das Gameplay ist kein Hexenwerk und auch schnell verinnerlicht. Bugbear Entertainment fand dabei eine sehr gute Mischung zwischen Arcade und Simulation. Dabei bietet jedes Fahrzeug dennoch eine Herausforderung für sich. So bedarf ein Mini-Traktor mehr Feingefühl als ein Muscle-Car und ein Mähdrescher fährt sich wie ein fliegender Kühlschrank. Mit einem Lenkrad kommt zudem gleich mehr Freude auf und macht uns zu einem wahren Crash-Test-Dummi.


Grafik/ Sound/ Technik

erstaunlich gut in Szene gesetzt

Auch wenn Wreckfest sich schon einige Jahre in Entwicklung befindet, kann sich das Spiel auf der PlayStation 4 Pro mehr als nur sehen lassen. Die PS4 Pro gibt ein erstaunlich gutes Bild in 4K aus. Mit all seinen Effekten und Reflektionen stört es uns nicht, dass wir kein HDR geboten bekommen. Ob nun die Sonne vom Himmel brennt oder sich tief-schwarze Wolken nähern: Spiegelungen auf den Fahrzeugen finden sich eh nur am Start wieder, danach ist alles schrottreif zusammengefahren. Hier kann Wreckfest ordentlich punkten. Alle Boliden weisen ein Schadensmodell auf, das in weiteren Spielen seines Gleichen sucht. Sowas haben wir auf der PlayStation 4 noch nicht zu sehen bekommen. Es kann sprichwörtlich alles abgefahren und zerstört werden. Selbst die gut aufgetürmten Reifenstapel am Rand, der ländliche Weidezaun oder die Werbetafeln, müssen am Ende des Rennens zusammengekehrt werden. Hier gibt es soviel bewegliche Teile, dass der eine oder andere grafische Fehler gar nicht ins Gewicht fällt. Staub, Rauch, Blech und viel Schrott lassen eine Rennstrecke regelrecht wie auf einem Schlachtfeld wirken.

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Beim Sound hält sich Wreckfest an einer Stereo-Ausgabe fest, kann es aber beim Klang ordentlich krachen lassen. Einen 5.1 Sound gibt es nicht, was dem Spiel aber in keinster Weise schadet. Auf den beiden Stereo-Kanälen kommen, neben einer passenden rockigen Musik, die Fahrzeuge mit ihren brüllenden Motoren zum Vorschein. Sicherlich könnten wir hier einen Kritikpunkt loswerden, wissen aber die Liebe und das Herzblut von Bugbear Entertainment zu schätzen. Gespart wurde ganz sicher nicht. Wir hören die Kraft eines V8 aus einem Muscle-Car oder das Schnurren des Mini-Traktors. Auch das Gefühl eines Go-Karts kommt auf, als wir uns auf das Sofa-Car schwingen. So hat der Entwickler alles richtig gemacht und verdeutlicht: manchmal ist mit viel Leidenschaft mehr drin ist, als technisch heutzutage möglich ist.

Technisch gesehen gab es nichts zu bemängeln. Die Grafik läuft flüssig, der Sound ist kraftvoll und selbst die Ladezeiten können wir so hinnehmen. Es wurde zudem schon ein weiterer Patch angekündigt, der die Ladezeiten nochmals verkürzen soll.  Hier wurde mit den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, alles gut in Szene gesetzt. Manchmal braucht es keine High-End-Grafik mit gigantischen Kinosound. Ein einfacher Full-HD Fernseher und ein Headset  reichen aus, um sich hinter das Steuer klemmen zu können.


Umfang/ Langzeitmotivation

…da wird viel Schrott zusammenkommen

tunen bis der Arzt kommt

Fangen wir mal ganz vorne an. Wreckfest bietet uns einen umfangreichen Karrieremodus, der in fünf Gruppen vorzufinden ist. In jeder Gruppe finden wir zahlreiche Rennen um Spaß erleben zu können. Da dürfte schon einige Zeit vergehen, bis wir nur mal überall teilgenommen haben. Bei jedem einzelnen Event gibt es Punkte, damit wir in unserem Level aufsteigen können. Intensive Rempler oder das Ausschalten unserer Rivalen, bringen Extra-Punkte. Mit jedem Level erhalten wir weitere Teile, um unsere Auto leistungsstärker machen zu können. Ganz nebenbei darf noch an der Optik geschraubt und neben Anbauteilen auch der Pinsel geschwungen werden.

Damit es auch nicht eintönig wird, werden uns sehr viele Rennpisten geboten. Interessant sind dabei die Stadien, welche hier mehr zum „Battle Royale“ werden. In dem Überlebensmodus ist viel Geschick und Können gefragt – sonst sind wir gleich wrecked. Aber auch in der Anzahl an gebotenen Fahrzeugen wurde nicht gespart. Ob nun der einfache Kleinwagen, ein Muscle-Car, die Familenkutsche, ein Rasenmäher, Mähdrescher oder gar ein Wohnmobil – es kann alles bewegt werden, was 4 Räder hat. Alle Fahrzeuge werden mit dem Absolvieren des Karrieremodus nach und nach freigeschalten, ebenso wie die Lackierungen und Teile. Um hier alles freizuspielen, gehen bestimmt noch viele Autos zu schrott und Stunde um Stunde wird vergehen.

Wer keine Lust auf Rennen gegen die KI hat, der kann sich im Multiplayer mit Gleichgesinnten treffen. Gemeinsam mit Freunden macht das Spiel gleich doppelt so viel Spaß und es darf gerne auch mal über die Anhänger von „Gran Turismo Sport“ gelästert werden, wenn diese wieder mal von der Strecke geschubst wurden. Hier nennen wir es wrecked!

In unserem Testzeitraum konnten wir sicherlich nicht alle Möglichkeiten des Spiels offenbaren und zeigen. Aber wir können abschätzen, dass es viel Spaß bringen wird jede Option freizuspielen und dies nicht in ein paar Stunden erledigt sein wird. Wer mag kann später sicherlich mit einigen DLCs sich die eine oder andere Erweiterung zulegen. Hierzu erhielten wir leider, vor dem offiziellen Release, noch keinen Einblick in den PlayStation Store.


Fazit

darauf haben wir Jahre gewartet

Mit Wreckfest bietet uns Bugbear Entertainment und THQ Nordic ein Spiel, auf das alle Anhänger von Destruction Derby jahrelang warten mussten. Hier darf wieder ordentlich mit dem Bleifuß hantiert und alles zerlegt werden, was uns vor die Kühlerhaube kommt. Wreckfest ist dabei nicht nur einfach ein Racer mit einem atemberaubenden Schadensmodell, es ist ein Rennspiel mit einem sehr hohen Spaßfaktor. Es lässt unsere Racerherz höher schlagen und unsere kühnsten Träume wahr werden. Technisch sicherlich nicht auf dem Level hochklassiger AAA-Titel, dafür aber überlegen im Erlebnis samt Spaß-Garantie. Ob nun Groß oder Klein, wir laden alle zum Wreckfest rein! 

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